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Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Haben Sie einen Chef oder eine Chefin, mit dem oder der Sie nicht gut klar kommen? Gibt es Kommunikationsprobleme oder verhält er oder sie sich Ihnen gegenüber unfreundlich oder bossy? Sie sind unzufrieden und möchten etwas ändern? In diesem Artikel gehe ich davon aus, dass es sich nicht um massive Übergriffe handelt und Sie grundsätzlich diese Stelle behalten möchten. Anderenfalls sollte Sie sich natürlich einen neuen Job suchen oder gar juristische Schritte einleiten. Ich gehe hier darauf ein, was Sie bei nervigen beziehungsweise belastenden Situationen tun können und wo Sie von Ihrer Seite aus ansetzen können.

Tipp 1: Sie müssen Ihren Chef nicht mögen

Machen Sie sich klar, dass Sie Ihren Chef nicht mögen müssen. Sie haben ein Arbeitsverhältnis. Für Sie ist nur wichtig, dass Sie Ihre Arbeit erledigen und Ihre Tätigkeit der Stellenbeschreibung entspricht. Alles W­­­eitere ist optional. Natürlich ist es wesentlich entspannter und angenehmer, wenn das Arbeitsklima freundlich oder gar freundschaftlich ist und wenn man sich mit dem Chef versteht. Tappen Sie jedoch nicht in die Harmonie-Falle, die Ihnen lediglich Energie raubt.

Je höher Ihre Erwartung an Ihren Beruf ist und je wichtiger es für Sie ist, sich darüber zu verwirklichen, desto mehr Wert werden Sie auf Ihr Umfeld bei der Arbeit legen. Fragen Sie sich also, welchen Stellenwert Ihre Tätigkeit für Sie hat. Ist es ein Job, um Ihre Miete zu bezahlen und den Kühlschrank zu füllen oder ist Ihr Beruf ein sehr persönliches Anliegen? Im ersten Fall ist es wohl am besten, einfach Ihren Job zu machen. Reiben Sie sich nicht zu sehr damit auf, die Stimmung zu heben. Im zweiten Fall lohnt es sich, sich zu engagieren, da Ihr eigenes Selbstverständnis und Ihre Zufriedenheit dies erfordern.

Überlegen Sie sich also genau, was Sie wollen und wie viel Energie Sie bereit sind zu investieren. Reicht es Ihnen, einen inneren Zustand der Zufriedenheit zu erreichen oder möchten Sie aktiven Einfluss auf Ihr Arbeitsumfeld nehmen? Es folgen Tipps für beide Wirkungsebenen.

Innere Zufriedenheit erreichen

Tipp 2: Nehmen Sie es nicht so persönlich

Wenn sich Ihr Chef blöd verhält, er sonderbare Dinge sagt oder unfair erscheint, nehmen Sie es nicht persönlich! Sie haben nicht die Möglichkeit, zu beeinflussen, wie sich Ihr Chef verhält und was er sagt. Doch Sie haben immer die Wahl, wie sehr Sie es auf sich selbst beziehen, wie Sie sich dadurch fühlen und wie Sie reagieren.

Dies ist Ihre „magische Kraft“! Entscheiden Sie, was Sie an sich heranlassen und was Sie abperlen lassen! Das ist natürlich nicht immer leicht, aber es lässt sich trainieren. Am wichtigsten ist es, die geistige Wachheit zu bewahren, um in der Beobachterposition zu bleiben und sich nicht in das Schauspiel hineinziehen zu lassen. Hierbei kann diese Übung helfen.

Manchmal lassen uns unsere persönlichen Muster immer wieder mit in das Drama einsteigen. Das ist der Fall, wenn Sie beobachten, dass Sie sich bemühen, etwas nicht persönlich zu nehmen, es jedoch nicht richtig klappt. Sie können einfach nicht „cool“ bleiben. Dann ist es sinnvoll, tiefer zu gehen und sich zu fragen, wann Sie früher schon mal mit solch einem Verhalten zu tun hatten. Haben Sie die Zusammenhänge mit Ihrer Vergangenheit erkannt, wird es leichter gelingen.

Tipp 3: Sich selbst abgrenzen

Ziehen Sie eine Grenze, indem Sie sich klar machen, was Sie mitmachen und was nicht. Wird diese Grenze überschritten, geben Sie ein genauso freundliches wie klares Statement ab, wie Sie das Verhalten Ihres Vorgesetzten empfinden. Denken Sie daran: Ein Mensch, der einen klaren Standpunkt hat und ihn mitteilt, bekommt mehr Respekt und Achtung entgegengebracht, als jemand, der immer kuscht und einsteckt.

Nicht wenige Chefs sind froh, wenn Sie ein Gegenüber finden, das in der Lage ist, ihnen Feedback zu geben und das nicht alles kritiklos mitmacht. Die Position an der Spitze ist manchmal sehr einsam. Da tut es gut, jemandem auf Augenhöhe zu begegnen. Natürlich müssen Sie selbst einschätzen, wie solch ein Verhalten bei Ihrem Chef ankommen würde.

Wichtig ist, dass Sie sich mitteilen. Möglicherweise war die getätigte Grenzüberschreitung nicht beabsichtigt und nicht mit bösem Willen geschehen. Oder sie entsprang einer unbewussten Verhaltensweise, die Ihrem Boss auf diese Weise klar werden kann. Dies allein kann schon eine Veränderung bewirken.

Tipp 4: Sehen Sie es als dass, was es ist

Zur Abgrenzung gehört auch, Dinge oder Ereignisse einfach als das zu sehen, was sie sind. Wenn der Chef wütend ist, neigen wir häufig dazu, einen eigenen Anteil darin zu finden. Alte Verhaltensprogramme verleiten uns, uns schuldig zu fühlen, zu denken, etwas falsch gemacht zu haben, nicht kompetent genug zu sein oder ähnliches.

Doch überwinden Sie diese Reaktionsweise und sehen Sie es einfach als dass, was es ist: ein Mann der wütend ist. Das ist absolut sein Ding. Er hat die Verantwortung für seine Gefühle, genauso, wie Sie für Ihre eigenen. Übernehmen Sie nicht seine Verantwortung. Wie Sie reagieren ist Ihr Ding. Sie können sich zuständig fühlen, wenn Sie das möchten. Oder lassen Sie das, was geschieht, einfach bei dem anderen.

Wenn Sie sich nicht mit den Gefühlen anderer identifizieren, haben Sie wesentlich mehr Freiheitsgrade zu reagieren und mit der Situation umzugehen. Das gelingt natürlich nicht immer sofort, aber üben Sie es immer wieder in den verschiedensten Situationen. Dies kann in allen Lebensbereichen sehr hilfreich sein.

Tipp 5: Ist Ihr Chef ein Spiegel für Sie?

Wir Menschen tragen alle eine ziemliche Anzahl von persönlichen Mustern (lesen Sie hier mehr darüber) mit uns herum, die uns in bestimmten Situationen, oder im Zusammensein mit bestimmten Menschen, automatisch reagieren lassen. Wir haben dann nicht die Wahl zu entscheiden, wie wir reagieren möchten, sondern folgen einem bestimmten Stereotyp. Wir bekommen Angst, fühlen uns schwach oder unsicher, bekommen ein ungutes Gefühl oder wollen einfach nur weg.

Gerade Chefs sind Menschen, die aufgrund Ihrer Position, leicht solche Muster auslösen. Hat jemand beispielsweise unaufgelöste Vater-Themen oder schlechte Erfahrungen mit autoritären Menschen gemacht, kann dies bei der Arbeit ziemliche Probleme bereiten. Er fällt gegenüber seinem Vorgesetzten in eine alte Rolle aus der Vergangenheit und ist unfähig sich als erwachsener, gleichberechtigter Mensch zu fühlen und zu verhalten.

Um solche Muster aufzulösen, ist es sinnvoll, ein gewisses Maß an Selbstreflexion zu besitzen und über eine Methode zu verfügen, eigene Muster bearbeiten zu können. Eine solche einfache, wie wirkungsvolle Methode habe ich hier beschrieben. Nehmen Sie sich Zeit, sich in diese Methode einzuarbeiten und üben Sie die Anwendung, bevor sie „heiße Eisen“ angehen. Sollten Sie alleine nicht zurechtkommen, sollten Sie sich Hilfe bei einem Profi suchen. In einem derartigen Fall sollte eine einzelne Sitzung ausreichen, um solch eine automatische Verhaltensweise aufzulösen.

Im Außen aktiv werden

Tipp 6: Das Gespräch suchen

Wenn Sie sich auf der persönlichen Ebene mit dem Verhalten Ihres Chefs auseinandergesetzt haben, erzielten Sie dort vielleicht bereits eine Verbesserung. Ist die Situation für Sie aber immer noch nicht zufriedenstellend, sollten Sie das Gespräch mit ihm suchen. Das ist der naheliegende Weg und Sie könnten ihn natürlich auch immer sofort gehen, doch ist es sehr hilfreich, zuvor eine eigene Klarheit über die Situation und in Bezug auf sich selbst gefunden zu haben.

Im Gespräch kann es sehr nützlich sein, Ihr Anliegen nach folgendem Muster anzubringen: Beobachtung – Gefühl – Bedürfnis – Wunsch. Sagen Sie zuerst, was Sie beobachten ohne zu bewerten. Beschreiben Sie einfach, was Ihnen auffällt. Danach teilen Sie mit, welche Gefühle das in Ihnen auslöst. Meist werden das sicherlich unangenehme Gefühle sein. Stellen Sie dar, welchem Ihrer Bedürfnisse sein Verhalten zuwider läuft und wie es Ihr Bedürfnis verletzt. Zum Schluss sagen Sie den Wunsch oder die Bitte, die Sie an Ihn haben, damit Sie sich wohler und sicherer fühlen.

Ein Beispiel: „Mir ist aufgefallen, dass Sie oft längere Zeit hinter mir stehen und über meine Schulter auf den Monitor schauen. Dabei fühle ich mich beobachtet und befangen. Ich möchte während meiner Arbeit nicht kontrolliert werde und ich kann unter diesen Umständen nicht gut arbeiten. Wenn Sie zu dem, was ich gerade tue, Fragen haben, sprechen Sie mich doch bitte direkt an. Ich beantworte sie Ihnen gerne.“

Diese Art macht es dem anderen leicht nachzuvollziehen, was in Ihnen vorgeht und was Ihr Anliegen ist. Es ist nicht aggressiv und Sie wirken souverän. Hierauf kann sehr gut ein weiterführendes Gespräch zur beiderseitigen Verständigung aufgebaut werden.

Tipp 7: Was tun, bei Angst vor dem Gespräch?

Es ist natürlich möglich, dass Sie Widerstand gegen oder gar Angst vor dem Gespräch haben. Diesen können Sie relativ leicht begegnen, indem Sie die Methoden anwenden, die ich hier und hier beschreiben haben. Eine gute Vorbereitung auf das Gespräch ist sicherlich auch sinnvoll und kann die Angst reduzieren. Was genau ist Ihr Anliegen? Was wollen Sie erreichen? Welche Argumente bringen Sie zum Ziel?

Machen Sie sich bewusst, dass Sie das Gespräch auch mit Angst führen können. Die Angst im Vorfeld des Gespräches resultiert meistens aus Gedanken darüber, was alles schief gehen könnte oder aus der Befürchtung sich zu blamieren. Chefs sind auch Menschen und sind meistes dankbar für Offenheit, denn Sie handeln auch in seinem Interesse, indem Sie Störungen im Betriebsablauf zu beseitigen helfen. Während des Gespräches wird sich die Angst ziemlich sicher verflüchtigen, da Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit für die Unterhaltung brauchen.

Tipp 8: Setzen Sie sich im Team zusammen

Sollte das Thema oder die Unterredung für Sie alleine ein zu großer Brocken sein oder möchten Sie vorher die Meinung anderer dazu hören, treffen Sie sich doch vielleicht mit Ihren Kollegen? Machen sie das eventuell privat und nicht während der Arbeitszeit. Sie können sich dann freier austauschen und offener reden.

Hierbei geht es nicht darum, sich gegen den Chef zu verschwören, sondern nutzen sie die Gelegenheit um zu erfahren, ob nur Sie betroffen sind oder ob auch andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Beraten Sie sich, was sie unternehmen könnten. Möglicherweise können Sie Ihr Ziel leichter erreichen, wenn sie zu mehreren eine Besprechung mit Ihrem Chef haben. Streben Sie immer eine konstruktive Lösung an.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

Erfahre, was mit moderner Psychotherapie möglich ist!

Menschen fühlen sich am liebsten gut. Was heißt eigentlich gut? Meistens werden sogenannte negative Gefühle (Wut, Ärger, Verzweiflung, Trauer, Niedergeschlagenheit) gemieden und positive Gefühle (Freude, Glück, Dankbarkeit, Verbindung, Zuversicht) angestrebt. Der Nachteil dieser Neigung ist, dass die Gefühle bedingt sind. Das heißt, dass die gewünschten Zustände Bedingungen unterliegen. Daher ist eine Person, die ja in einer polaren Welt lebt, immer diesem Streben unterworfen. Sie muss ständig Bemühungen unternehmen, unerwünschte Zustände abzustellen und gewünschte Zustände zu erreichen. Diese ständige Anstrengung ist wahnsinnig belastend und benötigt fast alle Ressourcen eines Menschen.

Geht es auch anders? Ja, natürlich. Dazu ist anzuerkennen, dass der größte Teil dieser Gut-Schlecht-Polarität im Leben von den eigenen Bewertungen abhängt. Diese entspringen unseren persönlichen Mustern. Und diese sind veränderbar oder gar entfernbar. Je weniger persönliche Muster ein Mensch mit sich herumträgt, umso weniger Bewertungen und Vorstellungen von Richtig und Falsch hat er. Das ist eine große Befreiung, denn das was ist, darf sein, wie es ist.

Ich erlebe in Sitzungen oft, dass die Klienten, die gerade ein Muster aufgelöst haben, nicht nur ein Gefühl der Erleichterung erleben, sondern sich häufig in dem neu gewonnenen Zustand unsicher fühlen. Es hat sich ein Komplex aufgelöst, der sie meist schon lange Zeit belastet hat. Nun ist da nichts mehr, eine gewisse Leere. Das ist neu und ungewohnt. Doch so fühlt sich wirkliches Gutfühlen an: nichts zu fühlen. In diesem Raum erst kann sich die grundlose Daseinsfreude entfalten. Das gleiche gilt übrigens auch für den Körper: Ein gesunder Körper ist einer, den man praktisch nicht wahrnimmt.

Eine Freundin erzählte, dass sie ohne eigenes Zutun in einen privaten Rechtsstreit geraten sei und wie sehr die Situation sie belaste. Sie habe nach jedem Brief vom gegnerischen Familienanwalt tagelang einen Kloß im Magen, und jede neue Eskalatiosstufe raube ihr etwas mehr Lebensenergie.

Ich fragte sie, ob es ihr in einer solchen akuten Situation wenigstens kurz gelingen könnte, einen Standpunkt einzunehmen, in dem sie die Angriffe und Vorwürfe einfach als Ausdruck von Lebendigkeit betrachtet: so etwas wie ein Schauspiel, das sich in allen seinen Facetten entfaltet. Für kurze Zeit fühlte sie wirkliche Erleichterung. Nach ein paar Wochen berichtete sie, dass ihr diese kurzen Momente immer besser gelängen, und dass sie diese Haltung mittlerweile auf viele andere belastende Lebenssituationen ausdehne. Der Familienstreit sei nun weniger belastend, und allein durch diese Übung habe sich ihre Lebensqualität wieder deutlich verbessert ­ obgleich die Sache selbst noch lange nicht ausgestanden sei.

Es geht nicht darum, Konflikten auszuweichen. Sie können weiter alles tun, was nötig ist. Es geht auch nicht darum, Schwieriges zu verharmlosen. Manche Dinge sind belastend und müssen bearbeitet und gelöst werden, manchmal mit juristischen Mitteln. Manchmal in einer tiefergehenden Therapie. Aber wenn es zwischenzeitlich gelingt, immer einmal herauszutreten aus den Dramen, dann kann das Leben insgesamt immer leichter werden. Vielleicht zeigt sich sogar, dass sich mit weniger innerer Spannung unerwartete Lösungswege aufzeigen.

Übrigens geht es auch nicht darum, sich nicht zu ärgern. Ärgern Sie sich kräftig und intensiv, und nehmen Sie dann sekundenweise den Standpunkt ein, dass dieser eigene Ärger einfach ein Ausdruck von Lebendigkeit ist. Beginnen Sie mit kleinen Ärgernissen und gestatten Sie sich, dass es nicht immer klappt, diese Haltung einzunehmen. Freuen Sie sich, wenn es für Sekundenbruchteile klappt.

 

Wie bereits gesagt, liegt jede Form von Unwohlsein, wie zum Beispiel Stress, Angst, Minderwertigkeitsgefühle, Hilflosigkeit, Verwirrung, Haltlosigkeit oder Unsicherheit darin begründet, dass wir eine Dissonanz mit der Realität, mit dem, was ist, haben. Daher sind die besten Ansätze damit fertig zu werden die, die uns wieder in Frieden bringen, mit dem was wir erleben. In diesem Artikel stelle ich weitere Möglichkeiten vor, dies zu erreichen.

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