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Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

In der letzten Zeit habe ich in einer Praxis mit meinen Klientinnen und Klienten häufig Flugangst bearbeitet. Ich bin erstaunt, wie weit sie verbreitet ist. Manchmal sind es Geschäftsreisende die öfter fliegen und bei jedem Flug leiden oder Urlauber, bei denen schon die Vorfreude aufgrund der Flugangst auf der Strecke bleibt. Falls Du Flugangst hast, habe ich eine gute Nachricht für Dich: Sie ist ziemlich leicht aufzulösen. Meistens reicht schon eine Sitzung. Hier erfährst Du, woher sie möglicherweise kommt und wie Du sie überwinden kannst.

Fliegen kann so schön sein

Dass Fliegen die sicherste Art der Fortbewegung ist, braucht hier sicherlich nicht weiter ausgeführt zu werden. Das hat jeder schon einmal irgendwo aufgeschnappt. Es reicht natürlich nicht, dies zu wissen, um eine Veränderung zu bewirken, denn diese Information ist rein rational. Die Flugangst liegt allerdings auf der emotionalen Ebene. Daher nützt es nichts, auf jemanden mit Flugangst einzureden, was übrigens für jede Angst gilt. Sie muss auf einer anderen Wiese angegangen werden.

Es erschließt sich ja auch nicht auf den ersten Blick, wie es möglich sein kann, dass ein hunderte Tonnen schweres Gerät in so etwas dünnem wie der Luft Halt findet und nicht herunterfällt. Dabei ist das wissenschaftlich bestens erforscht und durch Beweise belegt. Aber unser Reizverarbeitungssystem ist, wie oben beschrieben, nicht immer mit Fakten zu überzeugen. Manchmal leben wir, wenn es um Sicherheit geht, eben noch im Busch.

Gründe für Flugangst

Es überraschte mich, dass es bei den wenigsten die Angst vor dem Herunterfallen ist. Oft sind es eher Ängste wie eingeschlossen zu sein und auf Wunsch nicht raus zu können, keine Kontrolle zu haben, lange in dem Sitz „eingepfercht“ zu sein und keine Bewegungsfreiheit zu haben oder die vielen Menschen, die so dicht zusammengedrängt sind machen schlechte Gefühle. Bei Rauchern kommt natürlich die Angst hinzu, die Sucht nicht lang genug unter Kontrolle zu haben. Hier gibt es übrigens einen speziellen Artikel für Raucher.

Auffällig ist, dass die Art und die Ursachen für die Angst sehr individuell sind und es kein allgemeines Schema gibt. Daher müssen sie auch individuell behandelt werden. Anti-Flugangst-Filme und -Bücher leisten das in der Regel nicht. Auch die Flugangstseminare, die häufig von Flughäfen angeboten werden, bewegen sich in der Regel auf der rationalen Ebene und dauern oft einen ganzen Tag oder länger. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meistens eine Sitzung reicht, um die Angst zu überwinden und mit einer möglichen zweiten Sitzung werden die Ergebnisse gefestigt.

Die Gründe für die Flugangst sind nur sehr selten auf eine schlechte Erfahrung bei einem Flug zurückzuführen. Oft sind es, wie zuvor beschrieben, die Umstände eines Fluges. Es kann tatsächlich reichen, einen Flugzeug-Katastrophen-Film zu schauen. Oder die Ungewissheit erlebt zu haben, als der Lebenspartner am 11.9.2001 von New York nach Hause flog. Manche ängstigt es, den Naturgewalten ausgeliefert zu sein. Auch Schauergeschichten von „Luftlöchern“ oder vom Bermudadreick können hier ganze Wirkung entfalten. Einige Menschen haben Angst vor Terrorismus. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, in einen terroristischen Angriff verwickelt zu werden, verschwindend gering. Es ist statistisch wesentlich wahrscheinlicher, von einem Verwandten getötet zu werden oder zu Hause auf einer Leiter zu verunglücken. Aber auch hier nützt eine rationale Argumentation natürlich nichts.

Wie Flugangst überwunden werden kann

Woher beim Einzelnen auch immer die Angst kommt, das Grundprinzip ist folgendes: Irgendetwas, das mit dem Fliegen zu tun hat, ist mit einem üblen Gefühl, beispielweise mit Angst, verbunden. Dabei bildet diese Angst ein Verhaltensprogramm, das zu irgendeinem Zeitpunkt erworben wurde. Die Tatsache, dass wir die Angst erworben haben, wir sie uns also irgendwann angeeigneten, macht es möglich, sie wieder los zu werden.

Auf synaptischer Ebene werden im Gehirn Verschaltungen gebildet, sodass bestimmte Auslöser die Flugangst hervorrufen. Beispielsweise der Gedanke an Tante Erna, die auch fürchterliche Flugangst hatte. Oder der Gedanke, so lange still sitzen zu müssen. Oder die Vorstellung eingeschlossen zu sein. Oder das Wissen darum, 10 km Luft unter sich zu haben. Oder, oder.

Mit sanften und wirkungsvollen Methoden werden in der Sitzung diese neurologischen Verknüpfungen zwischen Auslöser und Verhaltensprogramm gelöst. Der Reiz läuft dann ins Leere, das Verhaltensprogramm, in diesem Fall die Flugangst wird nicht mehr aktiviert. Es werden der Reihe nach alle möglichen Auslöser bearbeitet, denn in der Regel sind es mehrere. Ist dies geschehen, wird das Gefühl etabliert, wie man sich während des Flugs fühlen möchte. Beispielweise entspannt und frei. Das legt jeder für sich selbst fest. Auf diese Weise können auch viele andere Formen der Angst aufgelöst werden.

Leidest Du unter Flugangst? Dann könnte eine Einzeltherapie sehr nützlich sein. Melde Dich bei mir und wir gehen die Sache gemeinsam an. Auf meiner Praxis-Website findest Du weitere Informationen.

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Ursachen, Folgen – und drei konkrete Wege aus der Angst

Alle Menschen berührt das Thema Angst. Angst ist ein Grundgefühl, das uns eigentlich schützen soll. Die konkrete Furcht vor einem heranfahrenden LKW ist durchaus begründet und sinnvoll, wenn ich mitten auf einer Straße stehe. Manchmal nervt Angst aber auch einfach nur.  Sie ist da, ohne konkrete Bedrohung oder ohne ersichtlichen Grund; so wie etwa die Angst vor Spinnen oder die Flugangst. In diesem Artikel nähern wir uns diesem Phänomen an und halten nach Lösungsansätzen Ausschau. Abschließend zeige ich Ihnen drei mögliche Wege, wie Sie mit Ängsten umgehen und sie loswerden können.

Konkrete Bedrohung oder diffuse Angst?

Bei konkreten Bedrohungen hilft es, die Situation zu verlassen. Ich verlasse die Straße, wenn ein Fahrzeug kommt. Ich nähere mich nicht dem Abgrund. Ich suche eine Geldquelle, um die Miete zahlen zu können. In solchen und ähnlichen Situationen können aktive Handlungen die Lösung darstellen, indem sie die Ursache der Angst beseitigen.

Anders sieht es bei Ängsten aus, deren Grund nicht offensichtlich ist. Warum hat jemand Angst vor einer Spinne? Hier in Mitteleuropa sind sie normalerweise harmlos. Warum hat jemand Angst vor dem Fliegen, fährt aber mit dem Auto ohne Probleme wöchentlich hunderte Kilometer, was statistisch nachweisbar um ein Vielfaches gefährlicher ist? Warum hat jemand Angst, vor einer Gruppe zu sprechen, obwohl er davon ausgehen kann, dass die Zuhörer ihm wohlgesonnen sind? Hier müssen wir tiefer gehen.

Man kann alles auch mit Angst tun!

Es ist grundsätzlich möglich, Dinge trotz beziehungsweise mit dem Gefühl der Angst zu tun: Auf Spinnen zuzugehen und sie anzufassen. In das Flugzeug einzusteigen und loszufliegen. Sich auf die Bühne zu stellen und Vorträge zu halten. Die wiederholte Erfahrung, dass es doch gut ging und das Befürchtete nicht eingetreten ist, schleift die Angst ab, und irgendwann verschwindet sie ganz. Doch eine solche Herangehensweise ist sehr unkomfortabel. Sie erfordert viel Mut und ist jedes Mal mit einer großen Überwindung verbunden.

Neben den Ängsten vor etwas Bestimmtem können sich auch diffuse Ängste zeigen, die als grundlegendes Gefühl wahrgenommen werden. Beispielsweise stellt sich morgens nach dem Aufwachen ein Gefühl von übler Ungewissheit oder eine unbestimmte Existenzangst ein. Manchmal sind Ängste an Handlungen geknüpft, beispielsweise das Leeren des Postkastens. Es wird eine Beklemmung gespürt, gekoppelt mit der Sorge, dass schlechte Nachrichten in der Post sein könnten, obwohl dazu eigentlich kein Grund besteht.

Woher kommt diese Angst nur?

Der Auslöser ist häufig nicht zu erkennen, die Angst scheint einfach so aufzutauchen. Dies lässt es meistens unmöglich erscheinen, diese Ängste in den Griff zu bekommen: Wie soll man etwas bearbeiten, das einfach da ist und dessen Ursache sich nicht beseitigen lässt, weil sie gar nicht bekannt ist?

Dazu muss man sich zuerst verdeutlichen, woher solche diffusen Ängste überhaupt kommen. Denn tatsächlich hat jede Angst einen Auslöser, eine Ursache. Menschen werden nicht mit Ängsten geboren. Diese sind in der Regel Widerspiegelungen alter, vergessener Erfahrungen. Ängste werden meistens durch verletzende, überwältigende oder überfordernde Erlebnisse entwickelt. In der Regel wurden ein Verlust, Alleinsein, ein Gefühl der Ohnmacht oder Hilflosigkeit erlebt. Die starke emotionale Ladung brennt das Erlebnis in das Nervensystem ein. Die Art der Angst, die entsteht, muss der Ursache nicht ähnlich sein.

Der Angst vor Spinnen liegt selten ein Erlebnis mit Spinnen zugrunde. Oft stehen dahinter in Wirklichkeit etwa Missbrauchserfahrungen oder andere verdrängte Verletzungen. Die Angst vor schlechten Nachrichten im Briefkasten kann auf einem frühen Erlebnis basieren, in dem sich das Kind sich einer Situation nicht gewachsen fühlte, förmlich von ihr überwältigt wurde.

Wenn Ängste die Lebensqualität einschränken

Die Wiederholung einer Angst kann einen Automatismus entstehen lassen. Das Gefühl wird hervorgerufen, wenn ein bestimmter Reiz ausgelöst wird. Beispiel: Ein Kind fühlt sich häufig alleingelassen, weil sein alleinerziehender Vater trinkt und sich nicht adäquat um es kümmert. Es ist möglich, dass dieser Mensch später Angst empfindet, wenn er mit alkoholisierten Menschen zu tun hat.

Die Lebensqualität und die Lebensfreude werden von Ängsten stark dezimiert. Die Betroffenen fühlen sich oft hilflos im Angesicht ihrer Empfindungen und denken, etwas stimme mit ihnen nicht. Manche versuchen ihr Dilemma zu lösen, indem sie sich  mit ihren Zuständen arrangieren, oder sie vermeiden alle Situationen, in denen die Ängste auftreten könnten.

Dies schränkt die eigenen Möglichkeiten sehr ein und manche Lebensbereiche können gar nicht gelebt werden. Zudem verlagern sich die Ängste damit meistens nur, gehen aber nicht weg, so dass die Zahl der potenziell bedrohlichen Situationen ständig wächst.

Die gute Nachricht: Ängste kann man wieder loswerden!

Die gute Nachricht ist: Da Ängste erworben sind, lassen sie sich, die nötige Bereitschaft vorausgesetzt, auch wieder auflösen. Der Weg, die Angst zu überwinden, hängt vor allem davon ab, wie stark die emotionale Ladung des zugrunde liegenden Erlebnisses ist und wie tief es sich ins Bewusstsein geprägt hat. Im Folgenden nenne ich drei Möglichkeiten, wie man vorgehen kann, um die Ängste zu überwinden, begonnen mit nicht so starken Ängsten bis hin zu sehr starken.

Drei Wege aus der Angst

 

  1. Für ein anderes Gefühl entscheiden

Machen Sie sich klar, dass die Angst, die Sie empfinden, ein Gefühl ist, wie jedes andere. Sie selbst erzeugen dieses Gefühl, niemand anders. Entscheiden Sie sich bewusst, ein anderes Gefühl statt der Angst zu empfinden. Dieses Gefühl können Sie erzeugen, in dem Sie sich an eine Situation erinnern, in der Sie sich wohlgefühlt haben. Angenommen, Sie werden mit einem Angstgefühl wach. Erinnern Sie sich absichtsvoll an einen Moment in einem Urlaub, den Sie sehr genossen haben. Erleben Sie diese Erinnerung in ihrer Vorstellung mit all Ihren Sinnen. Machen Sie sich diese Herangehensweise zur Gewohnheit – ersetzen Sie also die unerwünschte Angewohnheit durch eine bewusst gewählte. Nach einer gewissen Zeit wird die Angst nicht mehr auftreten. Das ist tatsächlich in vielen Fällen genauso einfach, wie es klingt. Ich habe es bei Klienten erlebt, dass  sich, konsequente Anwendung voraussetzt, selbst jahrzehntealte Ängste auflösten. Es steckt eben viel Wahrheit in dem Spruch, dass der Mensch ein Gewohnheitstier sei.

  1. Mit Methode und nach Anleitung bearbeiten

Nutzen Sie die Methode, die ich in diesem Artikel beschrieben habe. Dort ist ein Beispiel mit der Bearbeitung einer Angst beschrieben. Diese Methode ist sehr machtvoll, weil sie alle Ebenen anspricht, die zur Auflösung von persönlichen Mustern notwendig sind: die mentale, emotionale und neuronale. Ich empfehle zu Anfang nicht mit stark geladenen Themen anzufangen. Üben Sie den Umgang mit der Methode zuerst mit einfacheren Themen und machen Sie sich mit ihr vertraut.

Wenn Sie die Anleitung beachten, können Sie höchstwahrscheinlich bereits nach einigen Anwendungen mit einer Linderung rechnen. Denken Sie daran, wie in dem verlinkten Beitrag beschrieben, auch weitere Aspekte zu behandeln, die in Ihr Bewusstsein treten.

  1. Professionelle Unterstützung holen

Gelingt es Ihnen mit den vorgestellten Ansätzen nicht selbst, Ihre Angst zu überwinden, suchen Sie sich am besten erfahrene Hilfe. Wenn die empfundene Bedrohung sehr hoch ist, wenn die Ängste den Alltag massiv einschränken oder sich gar das Empfinden einstellt, dass sie gar nicht mehr zu handhaben sind, dann sollten Sie nicht zu lange allein damit bleiben, sondern schnell handeln. Das gilt auch für Ihnen nahestehende Menschen, bei denen Sie so etwas beobachten. Es ist keineswegs eine Schwäche, sondern zeugt im Gegenteil von Selbstreflektion und Lösungsorientiertheit, sich bei bestimmten Problemen professioneller Unterstützung zu versichern.

Wie viele Sitzungen eine solche psychotherapeutische Behandlung umfassen soll, lässt sich nicht pauschal sagen. Meiner Erfahrung nach lassen sich aber gerade Ängste sehr gut behandeln. Bei vielen Ängsten stellt sich bereits nach einer Sitzung eine nachhaltige Besserung ein; manchmal sind zwei oder drei Sitzungen erforderlich, um komplexeren Ängsten auf den Grund zu gehen. Das hängt von vielen Faktoren und den persönlichen Mustern und Strukturen des einzelnen ab. Oft verschwinden mit der Angst auch andere Probleme oder Einschränkungen wie von selbst gleich mit.

Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre Angst aufgelöst. Sie haben endlich die Selbstbestimmung in den betroffenen Bereichen zurückgewonnen! Es ist also lohnenswert, die eigenen Ängste anzugehen; am besten sofort. Ich wünsche Ihnen dafür alles Gute!

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Diese Methode ist natürlich eine von mehreren Methoden. Wie wir gesehen haben, brauchen wir für ein selbstbestimmtes, reflektiertes Leben ein Werkzeug, mit dem wir akute oder chronische emotionale und mentale Zustände handhaben können. Oder mit dem wir Überzeugungen auflösen oder verstärken können, um unsere erlebte Realität zu verändern. In diesem und dem nächsten Artikel stelle ich die Methode vor und erkläre sie, damit Sie sie für sich selber anwenden können.

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