{"id":1659,"date":"2017-06-17T10:00:10","date_gmt":"2017-06-17T08:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/?p=1659"},"modified":"2021-01-31T14:27:19","modified_gmt":"2021-01-31T13:27:19","slug":"normalitaet-ist-das-wunder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/normalitaet-ist-das-wunder\/","title":{"rendered":"Normalit\u00e4t ist das Wunder"},"content":{"rendered":"<p>Wir alle haben Sehnsucht nach dem Au\u00dfergew\u00f6hnlichen, dem Gro\u00dfartigen. Ich denke, es liegt daran, dass wir eine Grundtendenz haben, uns verbessern zu wollen. Oder daran, dass wir uns sicher f\u00fchlen und Kontrolle haben m\u00f6chten. Vielleicht stellen wir uns ein Ideal vor, das wir anstreben. Wir wollen es richtig zu machen, edel zu sein und gut. Ist das ein Irrweg?<\/p>\n<h3>Wir versuchen besonders zu sein<\/h3>\n<p>Besonders oder wichtig wollen fast alle Menschen sein. Die \u00fcblichen Mittel dazu sind beeindruckendes Wissen, spezielle F\u00e4higkeiten, eine tolle Karriere oder ein gehobener Status. Manche verwirklichen Ihre Au\u00dfergew\u00f6hnlichkeit \u00fcber das Scheitern. Man muss sich selbst nur irgendwie plausibel machen, dass der eigene Erfolg oder die eigene Erfolglosigkeit besonders sind. Schon geht es dem Ego besser.<\/p>\n<p>Normalit\u00e4t wird als langweilig und fade empfunden. So suchen wir st\u00e4ndig nach Erfahrungen, die uns aufwerten oder uns einen Kick geben. Die gesamte Modebrache nutzt diese Tatsache aus. St\u00e4ndig m\u00fcssen neue Klamotten her, m\u00f6glichst teuer und ausgefallen oder billig, damit man sie nach ein paar Mal Tragen wegwerfen kann und immer dem aktuellen Trend folgen kann. Das gleiche gilt f\u00fcr Smartphones, IT-Devices und Autos. Nach kurzer Zeit muss etwas Neues her, um en vogue und hipp zu sein. Die wachstumsgesteuerte Politik und Wirtschaft freut es.<\/p>\n<h3>Hauptsache super!<\/h3>\n<p>Kaum ein Film im Mainstream-Kino kommt ohne Superhelden, Superreiche oder globale Katastrophen aus. Die Szenarien sind v\u00f6llig \u00fcberzogen und haben nichts mit dem normalen Leben zu tun. Hier kann der Normalo Sachen erleben, die sein Leben so ohne weiteres nicht hergibt und er hat f\u00fcr eine kurze Zeit den Eindruck etwas ganz tolles erlebt zu haben. Die gleiche Funktion haben Erlebnisparks und Extremsportarten. Ich m\u00f6chte das alles nicht abwerten, denn es kann Spa\u00df machen. Doch man sollte sich klar machen, dass all dies Zeug ist, dass irgendwann immer mehr, immer extremer, immer maximaler sein muss und doch nicht gl\u00fccklich macht. Die innere Leere, die gef\u00fcllt werden soll, dehnt sich trotzdem immer weiter aus.<\/p>\n<h3>Selbstfindung statt Karriere<\/h3>\n<p>Viele Menschen reiben sich in einer Karriere auf, um Anerkennung und Status zu erlangen, die irgendwann zum Selbstzweck wird. Der Status verschlingt immer mehr Mittel und die Verpflichtungen nehmen zu. Hauptsache, die Eltern sind stolz, die Privatleben ist vorbildlich und der Chef kommt bald mit der Bef\u00f6rderung. Und man will ja auch im Freundeskreis mithalten. Die Unruhe ist pausenlos und das Innehalten unm\u00f6glich. Das Hamsterrad dreht sich immer schneller, bis man sich selbst kaum noch wahrnimmt und der Burn-Out an die T\u00fcr klopft.<\/p>\n<p>Dieser Trend scheint sich abzuschw\u00e4chen, zugunsten eines anderen. Das Pendel scheint vom einen Extrem in das andere auszuschlagen. Zurzeit schwingt es Richtung Selbstoptimierung. Manche betreiben sie, um das Hamsterrad besser ertragen zu k\u00f6nnen, andere versuchen auszusteigen und entdecken die Spiritualit\u00e4t, das Slow-Living oder die Achtsamkeit f\u00fcr sich. Das ist nat\u00fcrlich auch alles nicht schlecht, doch auch hier lauert die Ich-bin-besonders-Falle und all das kann man auch \u00fcbertreiben. Die Wahrscheinlichkeit dazu ist relativ hoch, zumal man ja vorher auch schon zu Extremen neigte. Neigungen verschwinden jedoch nicht durch Verhaltens\u00e4nderungen, dazu m\u00fcssen andere Ebenen angesprochen werden.<\/p>\n<h3>Das, was ist, ist das Wunder<\/h3>\n<p>Und was jetzt? Was kann man tun, um relativ leicht Zufriedenheit und Erf\u00fcllung zu erreichen? Sie wissen es bereits: Die Normalit\u00e4t, das Dasein an sich, ist das Wunder. Das, was unmittelbar ist, reicht v\u00f6llig aus. Es sind unsere Gedanken, Bewertungen und pers\u00f6nlichen Muster, die es fade, langweilig oder selbstverst\u00e4ndlich erscheinen lassen.<\/p>\n<p>Machen Sie sich klar: Wir sitzen auf einem winzigen Staubkorn im Weltall, rasen mit ihm in irrwitziger Geschwindigkeit um das Zentrum der Milchstra\u00dfe. Wenn verschiedene universale Konstanten nur minimalst anders w\u00e4ren, w\u00e4re das Weltall schon l\u00e4ngst wieder kollabiert oder den K\u00e4ltetod gestorben. Es w\u00e4re gar kein Leben entstanden. W\u00e4re die Erde nur ein St\u00fcck n\u00e4her an der Sonne oder weiter weg, g\u00e4be es hier bestenfalls vielleicht ein paar komplexere Aminos\u00e4uren, aber sonst nichts. H\u00e4tten wir nicht unseren wirklich au\u00dfergew\u00f6hnlichen Mond, der die Erde stabilisiert, w\u00fcrden wir immer noch in der Ursuppe d\u00fcmpeln.<\/p>\n<p>Ist es also nicht bereits ein ungeheures Wunder, dass es uns hochkomplexe, zur Selbsterkenntnis f\u00e4hige Wesen, \u00fcberhaupt gibt? Ok, das ist nat\u00fcrlich eine intellektuelle Ableitung, die mit Unmittelbarkeit nichts zu tun hat. Aber sie \u00e4ndert vielleicht bereits ein wenig Ihre Perspektive. Es geht noch einfacher:<\/p>\n<h3>Was ist, ist alles, was ist<\/h3>\n<p>Alles, was n\u00f6tig ist, ist sich mit dem zu verbinden, was gerade ist. Benutzen Sie einfach Ihre Sinne. Sehen Sie, h\u00f6ren Sie, tasten Sie. Sie werden feststellen, dass das Bewerten und das Denken ruhiger werden oder gar ganz aufh\u00f6ren. Nein, Sie brauchen nicht zu meditieren, k\u00f6nnen diese \u00dcbung aber gerne so bezeichnen, wenn Sie m\u00f6chten. Das ist ein sehr simpler Reset, der immer m\u00f6glich ist. Diesen Zustand werden Sie zuerst nicht lange, aber sp\u00e4ter immer l\u00e4nger aufrechterhalten k\u00f6nnen. Trainieren Sie es. Aus diesem Raum heraus k\u00f6nnen Sie dann gelassener und entspannter Ihr Leben entfalten.<\/p>\n<p>Das, was ist, ist das Einzige, was Sie zur tats\u00e4chlichen Erf\u00fcllung brauchen. Es ist unabh\u00e4ngig davon, wo Sie sich befinden, was Sie tun oder was in Ihrer Umgebung gerade geschieht. Eine andere, dauerhaftere Erf\u00fcllung gibt es nicht. Sollten Sie anderer Ansicht sein, handelt es sich um eine Denkgewohnheit oder um ein automatisches, mentales Programm. Es ist das gleiche, welches Sie zu H\u00f6herem, Besseren oder zum Besonderen antreibt. Das ist in Ordnung, aber es ist auch gut zu wissen, dass es eigentlich ganz einfach sein kann.<\/p>\n<p>Zufriedenheit und Gelassenheit zu finden ist nicht schwer. Besinnen Sie sich auf das, was gerade ist. Sollten Sie mit dieser \u00dcbung Probleme haben, wenden Sie sich jemanden, der sich damit auskennt. Es ist genauso sinnvoll wie einfach, sich von Pers\u00f6nlichkeitsmustern zu befreien, die zu \u00dcberforderung f\u00fchren oder sonst wie schaden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir alle haben Sehnsucht nach dem Au\u00dfergew\u00f6hnlichen, dem Gro\u00dfartigen. 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