{"id":2148,"date":"2018-07-03T08:00:00","date_gmt":"2018-07-03T06:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/?p=2148"},"modified":"2021-01-31T14:37:46","modified_gmt":"2021-01-31T13:37:46","slug":"bei-mir-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/bei-mir-bleiben\/","title":{"rendered":"Wie kann ich bei mir bleiben? &#8211; Eine \u00dcbung"},"content":{"rendered":"<p>In den Sitzungen mit meinen Klienten, aber auch in Gespr\u00e4chen kommt immer wieder diese Frage auf: \u201eWie kann ich besser bei mir bleiben?\u201c In einem <a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/wie-kann-ich-besser-bei-mir-bleiben\/\">fr\u00fcheren Artikel<\/a> habe ich schon beschrieben, dass es gar nicht so leicht ist, zu bestimmen, was dieses Ich eigentlich ist, bei dem wir bleiben wollen. In diesem Newsletter biete ich Dir eine \u00dcbung an, mit dem Du trainieren kannst, Deine Wahrnehmung zur Zentrierung zu nutzen.<\/p>\n<h3>Das Dilemma zeigt sich schon in der Fragestellung<\/h3>\n<p>F\u00e4llt Dir auch das Paradoxon auf, das sich in der Frage \u201eWie kann ich besser bei mir bleiben?\u201c liegt? Wer ist dieses \u201eIch\u201c und zu\u00a0 wem geh\u00f6rt dieses \u201emir\u201c? Hier zeigt sich bereits eine Spaltung, die sich in unseren Gedanken vollzieht. Tats\u00e4chlich ist da ein K\u00f6rper mit einem Nervensystem. Dieses Nervensystem (genauer: unser pr\u00e4frontaler Cortex) bringt die Abstraktion, die Vorstellung, eines Ich (Subjekt) hervor, welches bei sich (Objekt) bleiben m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Wir werden ohne Identit\u00e4t geboren, doch nach einigen Lebensjahren sind wir voll mit diesem imagin\u00e4ren Ich identifiziert. Das ist wichtig, damit wir einen Bezugspunkt haben, von dem aus wir unsere Erfahrungen einordnen und unser Verhalten steuern k\u00f6nnen. Ohne unsere Ichs k\u00f6nnten wir nicht selbstbestimmt leben und unsere komplexe Gesellschaft w\u00fcrde nicht funktionieren.<\/p>\n<p>Doch das Ich spaltet. Nach au\u00dfen beispielsweise in Ich und Du. Aber auch nach innen. Es spaltet in Ich und \u201emich\u201c beziehungsweise \u201emein\u201c, das hei\u00dft, es erschafft Objekte: \u201eMein Arm.\u201c, der Arm wird zum Objekt. \u201eIch mag mich nicht sehr.\u201c, \u201emich\u201c wird zum Objekt. Ein abgetrennter Teil schaut also auf sich selbst, als etwas anderes, und beurteilt sich. Eine empfundene Spaltung entsteht, obwohl die urspr\u00fcngliche Einheit (K\u00f6rper mit Nervensystem) nie versehrt war. Das ist der Ursache vieler Probleme. Die Objekte entstehen nur als Vorstellung in unserem Kopf. Diese Vorstellungen beziehungsweise Abstraktionen lassen Fragen entstehen, wie: \u201eWie kann ich besser bei mir bleiben?\u201c. Wir spalten einen imagin\u00e4ren Standpunkt von uns selbst ab. Es entsteht der Eindruck, wir seien nicht ganz bei uns. Was absolut richtig ist.<\/p>\n<h3>Dissoziation als krasse Form der Spaltung<\/h3>\n<p>Eine besonders starke Form dieser Spaltung ist die Dissoziation. Sie kann so weit gehen, dass der Mensch den Bezug zu sich selbst vollkommen verliert. Eine Erfahrung, die uns \u00fcberfordert, kann eine Dissoziation ausl\u00f6sen. Zum Beispiel ein Unfall, eine Gewalterfahrung oder etwas, das wir nicht in unser Weltbild integrieren wollen oder k\u00f6nnen. Um den Schmerz, die \u00dcberforderung, die Hilflosigkeit, das Ausgeliefert sein, die Verletzung, den Kontrollverlust, die Scham, die Dem\u00fctigung oder was auch immer, nicht sp\u00fcren, f\u00fchlen oder wahrnehmen zu m\u00fcssen, k\u00f6nnen wir uns mental von uns selbst v\u00f6llig abtrennen.<\/p>\n<p>Das ist ein uralter Schutzmechanismus, \u00fcber den wir verf\u00fcgen. Der Schockzustand soll uns helfen, insoweit funktionsf\u00e4hig zu bleiben, um uns aus der Gefahrensituation zu entfernen oder in ihr k\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen. Und er sollte, nachdem wir das Ereignis \u00fcberstanden haben, wieder verschwinden. Das tut er aber nicht immer. Dann sprechen wir von einem Trauma. Der Schockzustand wird chronisch. Er soll uns weiterhin vor den Gef\u00fchlen, Empfindungen und Erinnerungen besch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Ein anderer Grund f\u00fcr eine Abspaltung kann sein, dass uns eine schmerzvolle Erfahrung gelehrt hat, dass es hilfreich sein kann, zu wissen was in anderen vor sich geht, um drohendes Unheil erkennen und vorzeitig reagieren zu k\u00f6nnen. So versetzen wir uns in die anderen und checken deren Zustand. Dabei fragen wir uns, was wohl als n\u00e4chstes geschieht, wie der andere sich verhalten wird, wie wir uns verhalten sollten und was wohl von uns erwartet wird. Auch diese Abspaltung durch das Versetzen in andere dient dem Selbstschutz.<\/p>\n<p>Die Abtrennung hat trotz des (begrenzten) Nutzen viele Nachteile: Wir nehmen uns selbst nicht mehr oder nicht mehr vollst\u00e4ndig wahr.\u00a0 Wir sind von den eigenen Gef\u00fchlen abgetrennt, k\u00f6nnen schlecht pers\u00f6nliche Verbindungen aufbauen, nehmen unsere Bed\u00fcrfnisse nur eingeschr\u00e4nkt war oder unsere Wahrnehmung ist reduziert. Wir f\u00fchlen uns kaum lebendig, das Leben erscheint schal und bedrohlich, f\u00fchlen wenig Lebensfreude und meinen, neben uns selbst zu stehen.<\/p>\n<h3>Zur Ganzheit zur\u00fcckkehren<\/h3>\n<p>Wie stark die Spaltung auch immer ist, die Du erf\u00e4hrst und die Frage \u201eWie kann ich besser bei mir bleiben?\u201c aufkommen l\u00e4sst, sie l\u00e4sst sich heilen. Ich zeige Dir hier einen Weg, wie Du zu Deiner Ganzheit zur\u00fcckfinden kannst. Ganz wichtig ist zu erkennen, dass die Gefahrensituation l\u00e4ngst vorbei ist. Wahrscheinlich bist Du nun schon wesentlich \u00e4lter und h\u00e4ttest jetzt ganz andere M\u00f6glichkeiten, mit dieser Situation umzugehen. Mache Dir klar, dass Du diesen chronischen Zustand eigentlich nicht mehr brauchst.<\/p>\n<p>Dann stellst Du Deine Ganzheit wieder her. Da wir wissen, dass das <a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/wie-kann-ich-besser-bei-mir-bleiben\/\">Ich und unsere Identit\u00e4ten kein verl\u00e4sslicher Bezugspunkt sind<\/a>, nutzen wir unsere unmittelbare Wahrnehmung, um uns zu integrieren. Du wirst bemerken, dass Du Dich dabei wieder als ein Ganzes empfindest und Verbindung sp\u00fcrst.<br \/>\nAnleitung<\/p>\n<p>Setze Dich an einem ungest\u00f6rten Ort in einen bequemen Sessel und entspanne Dich. <a href=\"https:\/\/youtu.be\/859bRzy-cqU\">Um die Entspannung einzuleiten, kann Dir dieses Video helfen.<\/a> Nun lasse um Dich herum in Deiner Vorstellung Deinen Wohlf\u00fchlort entstehen. Das kann ein Ort sein, den Du kennst oder ein Fantasieort. Schau Dich dort um und lasse die Eindr\u00fccke klar und lebendig werden, so, als seiest Du tats\u00e4chlich dort.<\/p>\n<p>Nun \u00fcberpr\u00fcfe, ob Du Dich dort von au\u00dfen siehst oder ob Du aus Deinen eigenen Augen schaust. Solltest Du Dich von au\u00dfen sehen, bist Du von Dir abgetrennt. Gehe mit Deiner Wahrnehmung absichtsvoll in Deinen K\u00f6rper hinein. Achte im weiteren Verlauf darauf, aus Dir selbst heraus wahrzunehmen. Schaue Dich aus Deinen eigenen Augen an Deinem Wohlf\u00fchlort um. H\u00f6re auch die Ger\u00e4usche, die zu Deinem Wohlf\u00fchlort geh\u00f6ren. Rieche, wie es dort riecht! Vielleicht geh\u00f6rt auch ein Geschmack dazu? F\u00fchle, wie Du Dich dort f\u00fchlst! Sei ganz dort! Benutze alle Deine Sinne, um ganz dort zu sein! F\u00fchle Dich wohl! Sei in Deinem K\u00f6rper!<\/p>\n<p>Wenn Du diesen Eindruck von Deinem Wohlf\u00fchlort klar sp\u00fcrst, lasse ihn noch st\u00e4rker werden. Genie\u00dfe ihn eine Zeit lang. Dann kehre mit diesem Gef\u00fchl der Ganzheit und Deinen aktivierten Sinnen in Deine Gegenwart zur\u00fcck. Bewege Dich ein bisschen und \u00f6ffne die Augen. Bleibe dabei in Deiner unmittelbaren Wahrnehmung. Nun f\u00fchle Dich in Deiner tats\u00e4chlichen Umgebung wohl und benutze Deine Sinne aus Dir selbst heraus, um das, was um Dich herum ist, wahrzunehmen. Gehe mit dieser Empfindung durch Deinen Alltag und sei in diesem Zustand mit anderen Menschen in Kontakt.<\/p>\n<p>Trainiere dies immer wieder, damit diese Art, mit Dir in Verbindung zu sein, Dein normaler Zustand wird. Solltest Du Schwierigkeiten bei der \u00dcbung haben oder Dein Problem weiter bestehen, melde Dich bei mir. Gemeinsam bekommen wir es hin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Sitzungen mit meinen Klienten, aber auch in Gespr\u00e4chen kommt immer wieder diese Frage auf: \u201eWie kann ich besser bei mir bleiben?\u201c In einem fr\u00fcheren Artikel habe ich schon beschrieben, dass es gar nicht so leicht ist, zu bestimmen, was dieses Ich eigentlich ist, bei dem wir bleiben wollen. 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