{"id":2172,"date":"2018-08-07T15:47:48","date_gmt":"2018-08-07T13:47:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/?p=2172"},"modified":"2019-05-20T16:31:40","modified_gmt":"2019-05-20T14:31:40","slug":"woher-kommt-unsere-menschlichkeit-oder-warum-hater-hassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/woher-kommt-unsere-menschlichkeit-oder-warum-hater-hassen\/","title":{"rendered":"Woher kommt unsere Menschlichkeit? Oder: Warum Hater hassen."},"content":{"rendered":"<p>Woher wissen wir, was richtig und was falsch ist? Was ist die nat\u00fcrliche Grundlage f\u00fcr unsere Gewissen? Weshalb wissen wir instinktiv, wenn wir falsch behandelt werden oder es selbst mit anderen tun? Warum ist uns klar, dass Hasskommentare im Netz falsch sind? Was ist mit den Menschen passiert, die ihren Hass derartig ausdr\u00fccken? Was ist mit deren Menschlichkeit passiert? In diesem Artikel geht es um unseren nat\u00fcrlichen eingebauten Kompass, wie er kaputt gehen kann und wie wir ihn wieder reparieren.<\/p>\n<h3>Unsere Grunderfahrungen<\/h3>\n<p>Das Leben von uns Menschen beginnt im Bauch der Mutter. Wir sind in diesen neun Monaten ausschlie\u00dflich mit Wachstum besch\u00e4ftigt, in inniger Verbindung mit der Mutter, mit der wir k\u00f6rperlich buchst\u00e4blich eins sind. Daraus ergeben sich zwei Grunderfahrungen, die wir ganz zu Anfang machen und daher tief in uns verankert sind. Diese Grunderfahrungen sind Verbundenheit und Wachstum.<\/p>\n<p>Diese bleiben f\u00fcr uns auch nach der Geburt absoluter Ma\u00dfstab. Das Neugeborene braucht unbedingt unmittelbar nach der Geburt den k\u00f6rperlichen Kontakt zur Mutter und sollte auch von ihr gestillt werden. Dadurch werden diese Grunderfahrungen auch f\u00fcr die Welt au\u00dferhalb der Mutter nach der Geburt erhalten. Der oder dem Kleinen bleibt sein Urvertrauen erhalten: Es macht die Erfahrung, ich bin gewollt, ich werde gen\u00e4hrt, ich bin verbunden, ich kann wachsen und meine Wesen entfalten. Das ist die wichtigste Aufgabe f\u00fcr die Eltern: das Gef\u00fchl der bedingungslosen Annahme zu vermitteln und es mit dem zu versorgen, was es braucht.<\/p>\n<h3>Urvertrauen<\/h3>\n<p>Menschen, die unter diesen Bedingungen gro\u00df werden, behalten ihr Vertrauen in die Welt und die Menschen. Sie wachsen in einer Welt auf, in der sie sein k\u00f6nnen, wer und wie sie sind. Ihre Welt versorgt sie mit allem, was sie brauchen. Verbundenheit und Wachstum sind aufgrund dieser Grunderfahrung f\u00fcr kleine Kinder nicht nur ein Selbstverst\u00e4ndnis, sondern sie gehen auch davon aus, dass dies auch f\u00fcr andere gilt. Daher sind Kinder von Anfang an empathische, hilfsbereite, lernbegierige, vertrauensvolle und mit Selbstvertrauen ausgestattete Wesen. Sie brauchen daher nur Schutz gegen Gefahren, die Sie nicht einsch\u00e4tzen oder kennen k\u00f6nnen und den Raum sich selbst zu erproben und\u00a0 zu erfahren.<\/p>\n<p>So entstehen gesunde, selbstbewusste Menschen, die nicht zu manipulieren sind. Sie gehen ihren Weg und werden von anderen Menschen meist sehr gesch\u00e4tzt. Sie treten ganz nat\u00fcrlich in Verbindung mit anderen und m\u00f6gen einen lebendigen Austausch. Eine nat\u00fcrliche Intelligenz ist ihnen zu Eigen und sie w\u00e4hlen einen Lebensweg, der Sie erf\u00fcllt. Bedeutung ist ihnen nicht wichtig, da sie Bedeutung in sich selbst finden. Materieller Wert ist nicht so wichtig, da sie um ihren Wert wissen. Macht und Kontrolle sind ihnen egal, da sie niemanden zu beherrschen brauchen, um einen inneren Mangel zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<h3>W\u00fcrde und Integrit\u00e4t<\/h3>\n<p>Doch leider wachsen wir nicht in einer idealen Welt mit idealen Menschen auf. Und trotzdem tr\u00e4gt jeder diesen inneren Kompass tief in sich, der nie verloren geht und der anzeigt, wenn unsere Grundideale von Verbundenheit und Wachstum verletzt werden. Der Neurobiologe Gerald H\u00fcther nennt das Bewusstsein um diese Grunderfahrungen \u201eW\u00fcrde\u201c. Diese Bezeichnung finde ich sehr passend und es lohnt sich l\u00e4nger dar\u00fcber nachzudenken. Noch besser gef\u00e4llt mir die Bezeichnung \u201eIntegrit\u00e4t\u201c. Das Wort kommt vom lateinischen \u201eintegritas\u201c, was unversehrt, intakt beziehungsweise vollst\u00e4ndig bedeutet.<\/p>\n<p>Wir merken sofort, wenn andere versuchen unsere Integrit\u00e4t zu verletzt wird oder wenn wir es selbst tun. Wir f\u00fchlen uns nicht gut. Wir nennen das Gewissen. Kinder sp\u00fcren ganz genau, wenn etwas nicht stimmt. Wenn sie manipuliert werden, wenn sie einen \u00dcbergriff erfahren, wenn Verhalten anderer inkongruent ist oder wenn Sie etwas tun sollen, dass ihrer Integrit\u00e4t widerspricht. Doch aus ihrer Unerfahrenheit heraus glauben sie nat\u00fcrlich eher denen, von denen sie abh\u00e4ngig sind, als sich selbst. So geschieht es, dass sie die Verletzung ihre Integrit\u00e4t akzeptieren, sie sich an die Umgebung anpassen und dass andere Menschen ihre eigene Integrit\u00e4t verletzen. Wer die Integrit\u00e4t anderer verletzt, tut dies gleichzeitig mit seiner eigenen. Kleine Kinder lernen dies aufgrund ihrer Vorbilder als normal anzusehen.<\/p>\n<h3>Es ist normal, gegen die menschliche Natur zu handeln<\/h3>\n<p>Der menschlichen Natur liegen Verbundenheit und Wachstum zu Grunde. Allzu oft versto\u00dfen wir gegen diese inh\u00e4renten Bed\u00fcrfnisse. Kinder werden sehr oft als Objekte behandelt. Dabei bleibt ihre Subjektivit\u00e4t auf der Strecke, das hei\u00dft, ihre Bed\u00fcrfnisse, Einzigartigkeit und ihr tats\u00e4chliches Wesen wird \u00fcbersehen oder ignoriert. Sie erf\u00fcllen einen Zweck. Beispielsweise, wenn sie als das Kinder-Projekt ihrer Eltern missbraucht werden, sie also f\u00fcr die Eltern diese Funktion erf\u00fcllen sollen. Sie sollen gut in der Schule sein oder die unerf\u00fcllten Tr\u00e4ume der Eltern leben.<\/p>\n<p>Unser Schulsystem ist ebenfalls so angelegt, dass es Kinder zu Objekten macht. Es geht nicht um sie, sondern letztlich darum, dass sie mittels Beurteilung an unsere (nicht ideale) Gesellschaft angepasst und \u201eerfolgreich\u201c werden. Auch der Kommerz macht Menschen zu Objekten, n\u00e4mlich zu Verbrauchern. Deswegen mag niemand, wenn er nicht allzu vermurkst ist, Werbung.<\/p>\n<p>So ergibt es sich, dass auch viele Paar-Beziehungen Objekt-Objekt-Beziehungen sind. Wir sind gewohnt andere Menschen als Funktionserf\u00fcller anzusehen. Der Partner wird erw\u00e4hlt, um eigene Bed\u00fcrfnisse zu stillen. Zum Beispiel um sich selbst aufzuwerten, das Gef\u00fchl des Alleinseins zu vertreiben oder um Halt zu finden. (<a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/als-paar-einen-eine-vision-entwickeln\/\">Hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/eine-lebendige-und-vertrauensvolle-paar-beziehung-fuehren\/\">hier<\/a> gibt es Artikel, mit denen Du Deine Beziehung verbessern kannst.) Auch im Berufsleben geht es fast nie um die Menschen, sondern um die Funktion, die sie erf\u00fcllen. Dieses generalisierte Ph\u00e4nomen zieht sich durch alle Lebensbereiche.<\/p>\n<p>Ein Objekt zu sein, ist eine extreme Abwertung f\u00fcr einen Menschen. Werden sie so behandelt, wird in ihrem Gehirn derselbe Bereich aktiviert, \u00fcber den auch k\u00f6rperliche Schmerzen wahrgenommen werden. (In diesem <a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/warum-wir-alle-traumatisiert-sind-auch-du-ein-ratgeber-zur-selbsteinschaetzung\/\">Artikel<\/a> schreibe ich \u00fcber Entwicklungstraumata.) Es ist normal, dass wir nicht als das Wesen gesehen werden, das wir sind mit unseren Bed\u00fcrfnissen, sondern in unserer Funktion f\u00fcr die anderen und welchen Nutzen wir ihnen bringen. Und nat\u00fcrlich behandeln wir, aus dieser Erfahrung heraus, auch andere so. Das ist das Grundproblem unserer Gesellschaft. Allein das Wissen hierum k\u00f6nnte schon viel zum Positiven ver\u00e4ndern und beim Einzelnen ein Umdenken bewirken. Und viele Schmerzen vermeiden.<\/p>\n<h3>Woher der Hass kommt<\/h3>\n<p>Nun ist es leicht zu erkl\u00e4ren, woher der Hass im Internet, gegen Migranten oder gegen Andersdenkende kommt. Menschen machen Menschen zu Objekten. Hater sehen nicht das Subjekt, das individuelle, einzigartige Wesen, sondern etwas, das in ihnen scheinbar schlechte Gef\u00fchle erzeugt. Dabei ist nicht der andere der Grund f\u00fcr ihre schlechten Gef\u00fchle, sondern die Verletzung Ihrer Integrit\u00e4t, die sie selbst in der Vergangenheit erfahren haben. Sie selbst wurden zu Objekten gemacht und diesen Schmerz projizieren sie in Form von Hass auf andere. Dabei geben sie ihre Verletzung an andere weiter. Sie erfahren eine scheinbare Erleichterung und Aufwertung.<\/p>\n<p>Wer solche Tendenzen, egal ob sie schwach oder stark ausgepr\u00e4gt sind, in sich selbst wahrnimmt, kann sich leicht von ihnen l\u00f6sen, indem er seine Schmerzen konfrontiert und aufl\u00f6st. So wird das Leben leichter, freudiger, bunter und freier. Daf\u00fcr hat jeder selbst die Verantwortung. Es gibt keinen anderen Menschen, der Dich nerven, \u00e4rgern, verletzen oder hassen kann, wenn Du integer bist, wenn Du ganz, unversehrt, vollst\u00e4ndig bist.<\/p>\n<h3>Der \u201eintegre Imperativ\u201c<\/h3>\n<p>Deswegen denke und handele immer so, dass weder Dein Gef\u00fchl von Verbundenheit, noch Dein Bed\u00fcrfnis nach Wachstum besch\u00e4digt werden. Und auch nicht das der anderen. Dies ist eine gro\u00dfe Herausforderung. Und ein Weg zur Heilung.<\/p>\n<p>PS.: Liebe im urspr\u00fcnglichen Sinne ist gef\u00fchlte Verbundenheit ohne Bewertungen und Erwartungen und die allseitige Erlaubnis zum Wachstum.<\/p>\n<h3><a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/\">Erfahre, was mit moderner Psychotherapie m\u00f6glich ist!<\/a><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Woher wissen wir, was richtig und was falsch ist? Was ist die nat\u00fcrliche Grundlage f\u00fcr unsere Gewissen? Weshalb wissen wir instinktiv, wenn wir falsch behandelt werden oder es selbst mit anderen tun? Warum ist uns klar, dass Hasskommentare im Netz falsch sind? Was ist mit den Menschen passiert, die ihren Hass derartig ausdr\u00fccken? 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