{"id":2324,"date":"2019-04-24T12:49:35","date_gmt":"2019-04-24T10:49:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/?p=2324"},"modified":"2019-05-20T16:27:49","modified_gmt":"2019-05-20T14:27:49","slug":"spuerst-du-ihn-auch-den-optimierungsdruck-so-befreist-du-dich-davon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/spuerst-du-ihn-auch-den-optimierungsdruck-so-befreist-du-dich-davon\/","title":{"rendered":"Sp\u00fcrst du ihn auch, den Optimierungsdruck? \u2013 So befreist du dich davon!"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWerde die beste Version deiner selbst\u201c: eine Aufforderung, die in den sozialen Netzwerken allgegenw\u00e4rtig ist. Viele Coachs bieten auf ihren Websites, auf Facebook oder YouTube ihre Unterst\u00fctzung bei der Selbstoptimierung an. Auch viele meiner Klienten \u00e4u\u00dfern in den Therapiesitzungen diesen Anspruch an sich selbst. Tats\u00e4chlich kann das aber gar nicht funktionieren. Die Absicht tr\u00e4gt den Grund daf\u00fcr bereits in sich, denn sie stellt selbst einen Widerspruch dar: Wer will hier die beste Version von wem erschaffen? Bemerkst du die ungesunde Spaltung? In diesem Artikel erf\u00e4hrst du, warum Selbstoptimierung die M\u00f6hre ist, hinter der der Esel herl\u00e4uft, und worauf es wirklich ankommt.<\/p>\n<h3>\u201eMach was aus Dir!\u201c<\/h3>\n<p>\u201eMach was aus Dir!\u201c Hat das auch zu dir schon einmal jemand gesagt? Dieser Befehl ist typisch f\u00fcr unsere leistungsversessene Gesellschaft mit dem Streben nach ewigem Wirtschaftswachstum. Schon unser Schul- und Ausbildungssystem ist letztlich darauf ausgelegt, uns zu Konsumenten zu machen, die sich als winziges R\u00e4dchen im kapitalistischen Weltmonopoly mitdrehen und ihr Leben Unternehmen verschreiben, die es ihnen kaum danken.<\/p>\n<p>Es erscheint uns ganz normal, dass die Welt so ist und dass wir alle Karriere machen wollen. Doch die Illusion, dass das Leben umso sch\u00f6ner wird, je mehr wir von dem Konsumkuchen abbekommen und je mehr wir unseren Status ausbauen, zerplatzt in dem Moment, in dem der Burnout, die Depression, Zw\u00e4nge oder \u00c4ngste sich melden. Was ist da nur schief gelaufen? Wir sind schon als Kinder darauf ausgerichtet worden, dass wir etwas aus uns selbst machen m\u00fcssen. Die wenigsten Menschen kommen auf die Welt und werden einfach um ihrer selbst willen angenommen und geliebt. Die Eltern sind meist schon im Leistungsdenken gefangen und Teil der Bedeutungsmaschine.<\/p>\n<h3>Das Kind als Projekt der Eltern<\/h3>\n<p>Der Trend, dass Eltern ihre Kinder als ihr pers\u00f6nliches Projekt ansehen, verst\u00e4rkt sich immer mehr. Es kommt nicht einfach ein Mensch auf die Welt, der sich in Verbindung mit den Eltern selbst erprobt und sich zu einem selbstbewussten, selbstdenkendem, empathischen und vertrauensvollen Erwachsenen entwickelt. Nein, es wird ein Wesen geboren, das es zu optimieren gilt. Mit neuen gentechnischen Verfahren wird das in Zukunft sogar schon vor der Zeugung m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p>Der Mensch, der das Licht der Welt erblickt, wird, so ist mein Eindruck, den ich in vielen Sitzungen gewonnen habe, nicht als vollst\u00e4ndiger Mensch betrachtet, der nur lernen muss, seine F\u00e4higkeiten zu entfalten und sich in der Welt zurechtzufinden. Er wird zu einem Objekt gemacht. Alleine diese Haltung der Eltern erzeugt in dem kleinen Wesen einen riesigen Schmerz. Denn dies ist nicht m\u00f6glich, ohne dass die Eltern die liebevolle und annehmende Verbindung zu ihm unterbrechen. Wichtiger als dieses subjektive Wesen und seine tats\u00e4chlichen Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse sind die Ziele, die die Eltern mit ihm erreichen wollen.<\/p>\n<h3>Die Selbstverleugnung<\/h3>\n<p>Sowohl ein zu geringes, als auch ein zu vereinnahmendes Interesse der Eltern f\u00fchren bei dem Kind zu dem Empfinden, dass etwas an ihm falsch sei. Es versucht, den Eltern gerecht zu werden und passt sich an die Gegebenheiten an. Dazu muss es sich selbst verleugnen. Es spaltet Teile von sich selbst ab, weil sie nicht erw\u00fcnscht sind. Ein Kind, das tagtr\u00e4umt oder sich mit scheinbaren Banalit\u00e4ten befasst, kann ja nicht gut lernen und funktionieren. Das Lebensgef\u00fchl falsch zu sein tr\u00e4gt es sein ganzes Leben mit sich herum.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass sich irgendwann Depressionen, Zw\u00e4nge, \u00c4ngste oder ein Burnout zeigen. Diese werden dann als Erkrankung oder Zusammenbruch bezeichnet. Das ist jedoch grundfalsch. Die Erkrankung entstand schon im Kindesalter, und der Zusammenbruch der Pers\u00f6nlichkeit fand ebenfalls oft bereits vor Jahrzehnten statt. Nun ist das System der Betroffenen nicht mehr in der Lage das falsche Spiel mitzuspielen. Die \u201eErkrankung\u201c ist eigentlich die Chance zur Rettung aus der jahr(zehnte)langen Selbstverleugnung. Sie zwingt dazu, sich sein eigentliches Leiden anzusehen und eine eigenst\u00e4ndige Pers\u00f6nlichkeit zu bilden.<\/p>\n<h3>Selbstoptimierung ist nicht der Weg<\/h3>\n<p>Wer in solch einer Situation nun meint, sich selbst weiter optimieren zu m\u00fcssen, geht genau jenen eigenen sch\u00e4dlichen Mustern in die Falle, die das Problem ausl\u00f6sten. Du siehst dich selbst als fehlerhaft an, weil du findest, dass du krank bist oder ein Problem hast. Du meinst diese Fehler reparieren zu m\u00fcssen. Nochmal: Die Depressionen, der Zwang, die \u00c4ngste oder der Burnout ist nicht die Erkrankung. Die eigentlichen Ursachen sind viel \u00e4lter und sind dir meistens gar nicht bewusst.<\/p>\n<p>Die Motivation, eine bessere Version von sich selbst zu erschaffen, kommt\u00a0 in der Regel von au\u00dfen. Denn du befasst dich damit, wie andere dich sehen sollen, statt in die Kraft deiner eigenen Pers\u00f6nlichkeit zu kommen. Auch wenn du denkst, dass du derjenige seiest, der dies will, \u00fcberpr\u00fcfe, woher diese Idee wirklich kommt. Fast immer liegen unseren \u00dcberzeugungen und Werte Ideen zu Grunde, die wir in der Kindheit aus unserer Umgebung aufgenommen haben. Der Wunsch, eine bessere Version von dir selbst zu sein, ist also letztlich wieder eine solche Anpassung an andere. Er ist Teil des Wunsches angenommen und geliebt zu werden. Doch solange du auf den Zuspruch von au\u00dfen angewiesen bist, bist du manipulierbar und nicht du selbst.<\/p>\n<h3>Die Arbeit an den Symptomen verst\u00e4rkt das Problem<\/h3>\n<p>Der Grund f\u00fcr deine Anpassung liegt in einem Mangel an ungetr\u00fcbter Zuneigung und Annahme, den du irgendwann als Kind empfunden hast. Du hast nicht die bedingungslose Aufmerksamkeit und Verbindung erlebt, die dir zustanden. Dieses Gef\u00fchl des Mangels und die Idee, dass mit dir etwas nicht stimmt, zwangen dich dazu, dich deiner Umgebung unterzuordnen. Du musstest Teile von dir selbst verleugnen: zum Beispiel deine Gef\u00fchle oder Bed\u00fcrfnisse, denn jemand anders hat die Deutungshoheit dar\u00fcber an sich gerissen, und du musstest folgen.<\/p>\n<p>Genau das haben wir alle mehr oder weniger stark erfahren. Das ist fast unserer gesamten Gesellschafft immanent. Wir alle tragen die Folgen davon in uns. Wir leben eben nicht in einer idealen Welt mit idealen Menschen. Wenn Du nun deine Anpassung weiter vorantreiben willst, weil du denkst, dass dadurch deine Probleme verschwinden, bist du auf dem Holzweg. Es hat damals funktioniert, als du klein warst, und du denkst, das funktioniert weiterhin. Das ist falsch, denn du bist nicht mehr klein. Heute hast du ganz andere M\u00f6glichkeiten und F\u00e4higkeiten. Deine L\u00f6sungen von damals, die bestimmte Verhaltensprogramme in dir hervorgerufen haben, sind nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Du musst \u2013 und kannst! \u2013\u00a0sie \u00e4ndern.<\/p>\n<h3>Was tats\u00e4chlich zu tun ist<\/h3>\n<p>Bist du mit deinem Leben, dir selbst oder deinem Beruf unzufrieden? Dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass du fr\u00fcher fremdgesteuerte Entscheidungen gef\u00e4llt hast. Du hast nicht aus deinen eigenen Gef\u00fchlen, Bed\u00fcrfnissen und Interessen heraus gehandelt. Vielmehr hast du aus deiner Anpassung heraus versucht, die Erwartungen der anderen zu erf\u00fcllen. Das ist auch nicht falsch, wie du jetzt vielleicht denken k\u00f6nntest. Es war fr\u00fcher einmal deine L\u00f6sung daf\u00fcr, deine eigenen inneren Konflikte und die mit deiner Umgebung zu handhaben. Das war geschickt und erforderlich. Doch die L\u00f6sungen eines Kindes passen nicht in das Leben eines Erwachsenen. Du st\u00f6\u00dft an Grenzen und beschr\u00e4nkst dich selbst.<\/p>\n<p>Die Folge davon ist, dass du nun innere Zust\u00e4nde erf\u00e4hrst, unter denen du leidest: Gereiztheit, Ersch\u00f6pfung, Beziehungsprobleme, \u00c4ngste, Zw\u00e4nge, Depression, Burnout oder gar psychogene Erkrankungen. Es mag dir so erscheinen, dass diese Zust\u00e4nde nur schwer zu l\u00f6sen seien. Doch das ist nicht so. Moderne Therapiemethoden bieten sehr gute Ans\u00e4tze, die wirklichen Ursachen zu finden und aufzul\u00f6sen. Probleme, die du hast, liegen in der Regel auf der emotionalen Ebene. Deshalb m\u00fcssen sie auch auf dieser Ebene bearbeitet werden. Klassische Therapien bringen hier h\u00e4ufig nicht den gew\u00fcnschten Erfolg. Sie versagen selbst nach l\u00e4ngerer Dauer und vielen Sitzungen, wie ich immer wieder von Klienten h\u00f6re \u2013 weil sie zu sehr auf der Verstandesebene bleiben.<\/p>\n<h3>Was du f\u00fcr dich selbst tun kannst<\/h3>\n<p>Der Wunsch nach Selbstoptimierung entstammt grunds\u00e4tzlich einem Mangelempfinden. Du hast m\u00f6glicherweise den Eindruck, dass dir etwas fehlt, du nicht gut genug bist oder andere nicht gut \u00fcber dich denken. Du rennst der M\u00f6hre hinterher und erhoffst dir Anerkennung, Best\u00e4tigung oder Zuneigung von anderen. Doch wie der Esel die M\u00f6hre niemals erreicht, so wirst du auf diese Weise auch niemals das Gew\u00fcnschte f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Besinne dich auf dich selbst. Mache dir klar, was dich ausmacht, was deine F\u00e4higkeiten und Qualit\u00e4ten sind, die du jetzt schon hast. Lasse es zu, deine eigene Kraft zu sp\u00fcren. Sp\u00fcre die F\u00fclle, in der du bereits jetzt lebst. Frage dich: Was fehlt mir genau jetzt? Dann wirst du feststellen, dass du tats\u00e4chlich alles hast, was du brauchst.<\/p>\n<p>\u00c4ndere deine Haltung: vom empfundenen Mangel zur F\u00fclle. Lass andere an deiner F\u00fclle teilhaben. Du wirst sehen, dass sich dein Leben und wahrscheinlich auch deine berufliche T\u00e4tigkeit ganz grundlegend \u00e4ndern. Du bestimmst, wer du bist. Du bist die entscheidende Instanz deines Lebens. Alles andere f\u00fcgt sich dann von selbst.<\/p>\n<p>Melde dich, wenn du dazu Fragen hast oder dir dabei Unterst\u00fctzung w\u00fcnschst!<\/p>\n<p>Auch interessant:<br \/>\n<a title=\"Permanenter Link zu: Eine Depression ist \u00fcberwindbar \u2013 16 Tipps zur Selbsthilfe\" href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/eine-depression-ist-ueberwindbar-16-tipps-zur-selbsthilfe\/\" rel=\"bookmark\">Eine Depression ist \u00fcberwindbar \u2013 16 Tipps zur Selbsthilfe <\/a><br \/>\n<a title=\"Permanenter Link zu: \u201eIch f\u00fchle mich falsch. \u2013 Was kann ich tun?\u201c\" href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/ich-fuehle-mich-falsch-was-kann-ich-tun\/\" rel=\"bookmark\">\u201eIch f\u00fchle mich falsch. \u2013 Was kann ich tun?\u201c <\/a><br \/>\n<a title=\"Permanenter Link zu: Es ist nie zu sp\u00e4t f\u00fcr eine gl\u00fcckliche Kindheit\" href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/es-ist-nie-zu-spaet-fuer-eine-glueckliche-kindheit\/\" rel=\"bookmark\">Es ist nie zu sp\u00e4t f\u00fcr eine gl\u00fcckliche Kindheit<\/a><br \/>\n<a title=\"Permanenter Link zu: So klappt es mit dem guten Lebensgef\u00fchl\" href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/so-klappt-es-mit-dem-guten-lebensgefuehl\/\" rel=\"bookmark\">So klappt es mit dem guten Lebensgef\u00fchl <\/a><\/p>\n<h3><a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/\">Erfahre, was mit moderner Psychotherapie m\u00f6glich ist!<\/a><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWerde die beste Version deiner selbst\u201c: eine Aufforderung, die in den sozialen Netzwerken allgegenw\u00e4rtig ist. 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