{"id":2458,"date":"2019-12-01T16:04:20","date_gmt":"2019-12-01T15:04:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/?p=2458"},"modified":"2019-12-02T09:06:58","modified_gmt":"2019-12-02T08:06:58","slug":"selbstvertrauen-selbstwert-selbstbewusstsein-was-ist-das-genau-wie-kann-ich-es-staerken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/selbstvertrauen-selbstwert-selbstbewusstsein-was-ist-das-genau-wie-kann-ich-es-staerken\/","title":{"rendered":"Selbstvertrauen, Selbstwert, Selbstbewusstsein: Was ist das genau? Wie kann ich es st\u00e4rken?"},"content":{"rendered":"<p>Selbstvertrauen, Selbstwert und Selbstbewusstsein: Viele Menschen h\u00e4tten davon gerne ein bisschen mehr. Oft meint jemand, der einen der drei Begriffe verwendet, ein- und dasselbe. Doch in Wirklichkeit hat jeder von ihnen eine ganze eigene Bedeutung, und es lohnt sich, sie genauer zu betrachten. In diesem ausf\u00fchrlichen Beitrag erf\u00e4hrst du, wie diese Eigenschaften entstehen, warum sie bei so Manchem zu fehlen scheinen \u2013 und was du selbst ganz konkret tun kannst, um sie bei dir selbst zu st\u00e4rken \u2013 und, falls du Kinder hast, wie du sie dabei auf gesunde Weise unterst\u00fctzt.<\/p>\n<h3>Woher kommen Selbstvertrauen, Selbstwert und Selbstbewusstsein?<\/h3>\n<p>Das \u201eSelbst\u201c: Damit beginnen alle drei Qualit\u00e4ten. Um sie zu entwickeln, ist also ein Selbst, ein Ich \u2013 man k\u00f6nnte auch sagen, eine Identifikation mit sich selbst \u2013\u00a0notwendig. Niemand von uns ist damit geboren worden. Als Neugeborenes nehmen wir unser Umfeld \u00fcber unsere Sinne unmittelbar wahr. Teilweise m\u00fcssen sich diese Sinne erst entwickeln und sch\u00e4rfen. Aber wir beziehen diese Wahrnehmungen nicht auf uns selbst. Das, was da wahrnimmt, k\u00f6nnte eher als ein unpers\u00f6nliches Gewahrsein bezeichnet werden. Erst mit den Jahren entsteht ein Selbst, das sich durch Anpassung, Nachahmung, Konditionierung und Gewohnheit immer mehr ausdifferenziert.<\/p>\n<p>Zuerst pr\u00e4gt sich also diese Selbstbez\u00fcglichkeit aus. Auf ihrer Basis k\u00f6nnen Selbstvertrauen, Selbstwert und Selbstbewusstsein entstehen. Alle drei Qualit\u00e4ten sind enorm wichtige und lebensbestimmende Eigenschaften eines Menschen. Ohne sie k\u00f6nnen wir kein selbstbestimmtes und erf\u00fclltes Leben f\u00fchren. Wir w\u00e4ren eher Spielb\u00e4lle des Zufalls und der Umgebung oder unterl\u00e4gen v\u00f6llig unseren Trieben und Impulsen. Andere k\u00f6nnten mit uns machen, was sie wollen. Wir w\u00fcrden alles glauben, was sie sagen, und w\u00fcrden sehr leicht Opfer von Manipulation. Wir w\u00e4ren nicht selbstst\u00e4ndig und autonom, w\u00fcssten nicht, was wir wollen und h\u00e4tten keinerlei Ausrichtung. Welche Auswirkungen das auf unseren Platz in der Gesellschaft, unser Einkommen, unsere Lebensf\u00e4higkeit und auch die Lebensqualit\u00e4t h\u00e4tte, kann sich jeder leicht ausmalen. Eine komplexe Gesellschaft, wie unsere, w\u00e4re ohne Selbstvertrauen, Selbstwert und Selbstbewusstsein undenkbar.<\/p>\n<h3>Wie entsteht ein gesundes Selbst?<\/h3>\n<p>Bei der Selbstwerdung kann einiges schief gehen. Was sollten Eltern oder Vorm\u00fcnder tun, damit gesunde, eigenst\u00e4ndige und soziale Menschen entstehen? Um es vorweg zu nehmen: Es ist gar nicht viel, was sie tun m\u00fcssen. Die Frage ist eher, was sie <strong>nicht<\/strong> tun sollten, denn oft wird eher viel zu viel getan. Dies geschieht manchmal aus bester Absicht heraus, ist aber nicht immer zum Besten des Kindes. Jedes Kind hat, wie alle Menschen in jedem Lebensalter, zwei grundlegende Bed\u00fcrfnisse: Bindung und Wachstum. Beides haben sie schon im Mutterleib erfahren, und sie erwarten, dass es nach der Geburt so weiter geht.<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich f\u00fcr die Erwachsenen: Kindern sollte der Raum gelassen werden, sich selbst zu erfahren und auszuprobieren (Wachstum). Heranwachsende sind aus sich selbst heraus hoch motiviert zu lernen. Sie fassen alles an, probieren alles aus, so wie es ihrem Alter entspricht. Sie m\u00f6chten an Erlebnissen teilhaben und Dinge versuchen. Sie sind neugierig und interessiert, und sie m\u00fcssen nicht erst dazu gebracht werden.<\/p>\n<p>Das Interesse und die Begeisterung beim Erforschen der Welt f\u00fchren dazu, dass die Kinder das Gelernte behalten. Ist eine neue Information oder Erfahrung mit einem positiven Gef\u00fchl verbunden, wird sie so im Gehirn gespeichert, dass sie dauerhaft abrufbar bleibt. Erst, wenn ein Erwachsener meint zu wissen, was gut f\u00fcr das Kind ist und es ihm gegen dessen eigenes nat\u00fcrliches Empfinden aufdr\u00e4ngt, entsteht Widerstand. Wer hat dies nicht sp\u00e4testens in der Schule selbst erfahren? Ist aber das Gelernte mit Angst oder Druck verbunden, wird es in dem Gehirnbereich gespeichert, der f\u00fcr Angst und negative Gef\u00fchle zust\u00e4ndig ist.\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad<\/p>\n<p>Zum anderen braucht jedes Kind liebevolle Akzeptanz (Bindung), um sich entwickeln zu k\u00f6nnen. Das hei\u00dft, Kinder wollen um ihrer selbst willen geliebt werden. Und sie brauchen nat\u00fcrlich altersgerechten Schutz. Viele Kinder haben heute leider eine voll durchorganisierte Freizeit. Sie sollen m\u00f6glichst fr\u00fch m\u00f6glichst viel lernen, damit sp\u00e4ter sicher etwas aus ihnen wird. Diese Haltung unterstellt, dass aus Kindern etwas gemacht werden m\u00fcsste. Nein, sie sind bereits etwas beziehungsweise jemand, und sie brauchen lediglich Unterst\u00fctzung darin, sich selbst zu entfalten. Es ist wichtig, dass sie viel Zeit f\u00fcr sich selbst haben, um sich mit Freuden zu treffen oder drau\u00dfen zu spielen. Dabei d\u00fcrfen sie sich auch langweilen. Oft entwickeln sich erst dabei kreative Ideen. Es ist fatal, wenn Eltern ihren Kindern zu viel vorgeben oder ihnen Dinge aus der Hand nehmen, um ihnen zu zeigen, was wichtig ist und wie es richtig gemacht wird. Unterst\u00fctze deine Kinder, interessiere dich f\u00fcr sie und beantworten ihnen ihre Fragen.<\/p>\n<p><strong>Fazit: Kinder brauchen nicht zu etwas gemacht zu werden. Sie sind bereits vollst\u00e4ndig, sozial, lernbereit, empathisch und hilfsbereit. Alles, was Kinder brauchen, ist eine liebevolle und besch\u00fctzende Begleitung und einen Raum sich selbst zu erproben. <\/strong><\/p>\n<h3>Selbstvertrauen<\/h3>\n<p>Selbstvertrauen bedeutet, grunds\u00e4tzlich sich selbst und den eigenen F\u00e4higkeiten zu vertrauen. Dazu geh\u00f6rt die eigene Gewissheit, mit den Herausforderungen, die das Leben bringt, fertig zu werden. Das schlie\u00dft ein, Hilfe zu beanspruchen, wenn es n\u00f6tig ist. Menschen mit Selbstvertrauen versuchen Neues, lassen sich auf andere Menschen ein und treten sicher auf. Sie wissen, was sie wollen und finden einen Weg, es zu erreichen. Dabei sind sie offen f\u00fcr Anregungen und Ideen anderer. Sie pr\u00fcfen kritisch, was andere sagen oder tun, und k\u00f6nnen sich klar abgrenzen. Sie haben mehrere Interessen und gehen ihnen nach, weil sie begeisterungsf\u00e4hig sind.<\/p>\n<h3>Wenn Selbstvertrauen fehlt<\/h3>\n<p>Menschen mit geringem Selbstvertrauen sind eher vorsichtig und halten sich zur\u00fcck. Sie sind weniger offen f\u00fcr Neues und f\u00fchren eher ein konservatives Leben. Sie haben eine Neigung zu Idolen, die verwirklicht haben, was sie selbst f\u00fcr sich w\u00fcnschen, und orientieren sich an ihnen in ihrem Denken und Handeln. Sie folgen lieber anderen Menschen, von denen sie sich unterst\u00fctzt und bei denen sie sich sicher f\u00fchlen. Sie schauen sich bei anderen ab, wie sie leben wollen, und folgen eher\u00a0 Konventionen, ohne diese zu \u00fcberpr\u00fcfen. Sie arbeiten unter Anleitung besser als selbstst\u00e4ndig. Zustimmung und Anerkennung geben ihnen Kraft und Best\u00e4tigung.<\/p>\n<h3>Was ist geschehen, wenn Selbstvertrauen fehlt?<\/h3>\n<p>Mangelndes Selbstvertrauen ist kein pers\u00f6nliches Verschulden und auch kein unbehebbarer Defekt. Der Fehler liegt eher in der Umgebung, in der sich dieser Mensch entwickelt hat. Er hatte nicht genug Raum, sich selbst zu erproben und erfahrungsbezogen zu lernen. Es sind ausschlie\u00dflich eigene Erfahrungen, die Selbstvertrauen aufbauen. Wer sich nie getraut hat, \u00fcber einen hohen Zaun zu klettern, wei\u00df nicht, wie es geht, und wird es sp\u00e4ter sicher auch nicht versuchen. Bei der Entscheidung, es nicht zu tun, klangen wahrscheinlich die elterlichen Worte im Hinterkopf: \u201eSei vorsichtig\u201c, \u201etu dir nicht weh\u201c, \u201edu bist immer so ungeschickt\u201c oder \u201eMach keinen Unsinn!\u201c<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise warnte vorher schon die Mutter das junge Kind, nicht bis ganz oben auf das Kletterger\u00fcst zu steigen, weil sie selbst \u00e4ngstlich ist: Es k\u00f6nne ja runterfallen und sich verletzen. Sie hat ihre eigenen Beschr\u00e4nkungen auf das Kind \u00fcbertragen und Zweifel in ihm ges\u00e4t, die von selbst nicht in ihm entstanden w\u00e4ren. Kinder wissen meist selbst sehr genau, was sie k\u00f6nnen. Auch wenn der Vater dazu neigt, dem Kind etwas aus der Hand zu nehmen, um zu zeigen, wie es richtig gemacht wird, wird das Selbstvertrauen untergraben. Es bekommt so nicht die Chance, es selbst auszuprobieren. Etwas mehrere Male etwas falsch zu machen ist lehrreicher, als wenn man nur eine L\u00f6sung vorgemacht bekommt.<\/p>\n<p>Eltern, die ihren Kindern zu viel abnehmen oder ihnen zu viel vorschreiben h\u00f6hlen das Selbstvertrauen des Kindes auf perfide Weise aus. Das Gleiche geschieht aber andererseits auch \u2013 was vielen Menschen \u00fcberhaupt nicht bewusst ist \u2013, wenn sie \u00fcbertrieben loben. Sie denken, sie tun dem Kind etwas Gutes, doch sie tun genau das Gegenteil. Sie vermitteln ihm ein falsches Bild \u00fcber seine F\u00e4higkeiten. \u00dcberf\u00fcrsorgliche Eltern bieten dem Kind nicht die M\u00f6glichkeit, eine eigene Pers\u00f6nlichkeit zu entwickeln. Es darf vielleicht nicht selbst entscheiden, was es anzieht, oder es darf sich nicht schmutzig machen. Sie suchen seine Freunde und Interessen aus, sie verplanen seine Zeit, sie l\u00f6sen seine Konflikte oder sch\u00fctzen es davor und so weiter. Wie soll jemand, der so aufw\u00e4chst, jemals Vertrauen in sich selbst entwickeln?<\/p>\n<h3>Was ist zu tun, wenn Selbstvertrauen fehlt?<\/h3>\n<p>Was auch immer in der Vergangenheit schief gelaufen sein mag, dass sich kein ausreichendes Selbstvertrauen aufgebaut hat: Es muss auf keinem Fall so bleiben. Wir Menschen sind immer in der Lage, unsere inneren Qualit\u00e4ten zu \u00e4ndern oder zu st\u00e4rken. Oft h\u00f6re ich S\u00e4tze wie: \u201eSo bin ich halt.\u201c oder \u201eIch bin eine Mensch, der \u2026\u201c Dabei sind wir als Wesen nie endg\u00fcltig definiert. Wir k\u00f6nnen unsere Innenwelt gestalten und Dinge, unter denen wir leiden, \u00e4ndern. Erwachsen zu sein bedeutet, sich selbst zu hinterfragen und Verantwortung f\u00fcr sich selbst zu \u00fcbernehmen. Das hei\u00dft zu seinen Defiziten zu stehen und aktiv etwas zu tun, diese zu \u00e4ndern. Das ist viel leichter, als die meisten denken. Ich erlebe dies t\u00e4glich in meiner Praxis.<\/p>\n<p>Um mangelndes Selbstvertrauen loszuwerden ist es vor allem notwendig, die Gef\u00fchle, \u00dcberzeugungen und Erlebnisse zu bearbeiten, die in der Vergangenheit entstanden sind und die zu diesem Zustand gef\u00fchrt haben. Es m\u00fcssen die Gef\u00fchle der Verletzung, der Zur\u00fcckweisung, der sich wiederholenden Entt\u00e4uschungen, der Hilflosigkeit und so weiter geheilt werden. Es gilt die Glaubenss\u00e4tze wie \u201eich kann nichts\u201c, \u201ealles, was ich anfasse geht schief\u201c, \u201eich wei\u00df gar nicht, wer ich bin\u201c und dergleichen in konstruktive \u00dcberzeugungen zu \u00e4ndern.\u00a0 Zudem muss den Erlebnissen in der Vergangenheit r\u00fcckwirkend die emotionale Ladung genommen werden, sodass diese Gef\u00fchle nicht mehr in die Gegenwart hinein wirken. Daf\u00fcr gibt es heute hervorragende Methoden.<\/p>\n<p>Mittels dieser Arbeit auf innerer Ebene \u00e4ndern sich das Selbstgef\u00fchl und das Denken. Dadurch f\u00e4llt es viel leichter anders als vorher zu handeln. Es kann sein, dass dies aufgrund der emotionalen und mentalen Ver\u00e4nderungen fast wie von selbst geschieht. Es ist enorm wichtig, die neuen, absichtlich kreierten Denkmuster in aktive Handlungen umzusetzen. Denn dabei werden die Erfahrungen gemacht, die in der Vergangenheit fehlten und zeigen, dass man heute tats\u00e4chlich in der Lage ist, bestimmte Dinge zu tun. Es ist jetzt beispielsweise m\u00f6glich, Fremde anzusprechen, Dinge zu tun, die man sich vorher nicht getraut hat, im Job selbstst\u00e4ndiger zu arbeiten und mehr Verantwortung zu \u00fcbernehmen, sicher aufzutreten oder den eigenen Standpunkt zu vertreten. Du zeigst, wer du bist, \u00a0und sprichst aus, was du denkst. Du vertraust dir selbst und hast Lust vorw\u00e4rts zu gehen. Nebenbei werden sich viele \u00c4ngste und Sorgen, die du vorher vielleicht hattest, aufl\u00f6sen.<\/p>\n<h3>Selbstwert<\/h3>\n<p>Hierbei geht es nat\u00fcrlich nicht um den Wert eines Menschen. Das Dasein alleine gibt ihm unverhandelbaren Wert und W\u00fcrde. Es gibt keine Abstufungen zwischen verschiedenen Menschen. Es geht auch nicht darum, f\u00fcr wie wertvoll sich jemand selbst h\u00e4lt. In solch einem Fall sollte das aufgeblasene Ego therapiert werden, falls dies \u00fcberhaupt noch m\u00f6glich ist. Es geht darum, wie du zu dir selbst stehst und wie dich selbst einsch\u00e4tzt. Dein Selbstwert spiegelt grunds\u00e4tzlich wieder, wie du deinen Platz in der Welt einnimmst, ihn ausf\u00fcllst und wie du dich dabei f\u00fchlst. Aber es geht auch darum, wie du selbst zu deinen F\u00e4higkeiten stehst, wie du sie anwendest und welchen Nutzen du oder die anderen davon haben.<\/p>\n<p>Menschen, die einen gesunden Selbstwert haben, kennen ihren Platz in der Welt. Sie wissen, was sie wollen und sind ausgerichtet. Sie wissen, was sie zur Gemeinschaft beitragen k\u00f6nnen und bekommen daf\u00fcr einen entsprechenden Gegenwert, so dass sie frei von Mangel leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Wenn Selbstwert fehlt<\/h3>\n<p>Menschen mit einem verminderten Selbstwertgef\u00fchl f\u00fchlen sich oft nicht gut mit der Welt verbunden. Daher f\u00fchlen sie sich unsicher und empfinden oft eine unterschwellige Bedrohung. Sie empfinden sich oft als benachteiligt oder als Opfer derjenigen, die vermeintlich m\u00e4chtiger sind oder denen es besser geht. Um das Minderwertigkeitsgef\u00fchl zu kompensieren, k\u00f6nnen gerade solche Menschen dazu neigen, andere abzuwerten oder zu diskriminieren. Dadurch, dass sie andere als weniger wert definieren, erheben sie sich in ihrem Selbstverst\u00e4ndnis, denn es gibt jemanden, der noch weniger wert ist als sie selbst. Interessant ist, dass das Minderwertigkeitsgef\u00fchl nicht unbedingt mit dem eigenen materiellen Besitz zu tun haben muss. Es gibt reiche Menschen, die sich trotz ihres \u00dcberflusses minderwertig und leer f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Oft ist es so, dass die Betroffenen hinter ihren eigenen M\u00f6glichkeiten zur\u00fcck bleiben. Beispielsweise werden sie f\u00fcr Ihre Leistung nicht entsprechend bezahlt oder fordern selbst zu wenig daf\u00fcr. In meiner Praxis habe ich immer wieder Selbstst\u00e4ndige, die sich scheuen f\u00fcr ihre Arbeit ein entsprechendes Honorar einzufordern. Sie sind nicht vom Wert ihrer eigenen Leistung \u00fcberzeugt oder f\u00fcrchten, ihre Kunden mit vermeintlich \u00fcberzogenen Forderungen zu vergraulen. Sind jedoch die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Selbstzweifel beseitigt, l\u00f6sen sich diese Probleme meist.<\/p>\n<h3>Was ist geschehen, wenn Selbstwert fehlt?<\/h3>\n<p>Menschen, denen es an Selbstwert mangelt, haben in ihrer Entwicklung erlebt, dass ihr Bed\u00fcrfnis nach Bindung nicht erf\u00fcllt wurde. Sie f\u00fchlten sich nicht um ihrer selbst willen geliebt. Die Erf\u00fcllung dieses Bed\u00fcrfnisses ist f\u00fcr Babys und kleine Kinder essentiell. Die Gr\u00fcnde, warum die Eltern oder der Vormund nicht in der Lage waren, die n\u00f6tige Liebe zu geben, k\u00f6nnen sehr unterschiedlich sein. Oft haben sie selbst keine Liebe erlebt und k\u00f6nnen sie deswegen nicht weitergeben. Oder ein wichtiges\u00a0 Elternteil ist depressiv. Es hat eh schon genug mit sich selbst zu k\u00e4mpfen, und da ist ein Baby noch eine zus\u00e4tzliche Belastung. Viele Eltern, die ihren Kindern keine Liebe geben k\u00f6nnen oder sich nicht genug Zeit daf\u00fcr nehmen, versuchen dies mit Geschenken auszugleichen. Doch das funktioniert nicht. Menschliche Bindung ist durch gar nichts anderes zu ersetzen.<\/p>\n<p>In einer Therapiesitzung erinnerte sich eine Klientin daran, dass sich ihr Vater nicht f\u00fcr sie interessierte, als sie ein kleines Kind war. Er ignorierte sie und gab ihr keinerlei Aufmerksamkeit. Es wurde ihr in der Sitzung bewusst, wie sie sich damals fragte, wie das sein k\u00f6nne, denn sie liebt ihn ja. Um diesen inneren Konflikt aufzul\u00f6sen fand sie eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr sich: Ich bin falsch. Diese \u00dcberzeugung trug sie ihr ganzes Leben lang in sich. Jeder kann sich ausmalen, wie sich das auf das Leben auswirkte und was das mit dem Selbstwert macht. Nach dieser Sitzung \u00e4nderte sich einiges in ihrem Leben.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann auch abwertendes Verhalten anderer dem Selbstwertgef\u00fchl massiv schaden \u2013 beispielsweise wenn Eltern ihren Kindern direkt sagen, \u201edu bist doof\u201c, \u201edu kannst nichts\u201c, \u201estell dich nicht immer so dumm an\u201c und so weiter. So etwas gibt es leider h\u00e4ufiger, als man vielleicht denkt. Dabei m\u00fcssen die Eltern das nicht unbedingt aussprechen. Es reicht, dass sie es das Kind indirekt sp\u00fcren lassen. Es k\u00f6nnen nat\u00fcrlich auch fremde Personen den Selbstwert eines Menschen stark sch\u00e4digen, etwa durch Mobbing in der Schule, in der Ausbildung oder im Beruf.<\/p>\n<p>Sehr starke Ver\u00e4nderungen im Leben k\u00f6nnen den Selbstwert auch vermindern. Jemand findet sich pl\u00f6tzlich in einer Lebenssituation wieder, die fremd ist und in der er sich unsicher f\u00fchlt: beispielsweise, wenn sich ein langj\u00e4hriger Lebenspartner trennt, jemand den Job verliert oder mit seinem Unternehmen scheitert. Aber auch eine Entwicklung in eine positive Richtung kann dies ausl\u00f6sen: wenn jemand ein Unternehmen gr\u00fcndet und pl\u00f6tzlich Chef ist; oder ein beruflicher \u00a0Aufstieg, der Aufgaben mit sich bringt, die v\u00f6llig neu sind. Menschen mit einem stabilen Selbstwert k\u00f6nnen solche Situationen meist gut bew\u00e4ltigen. Ist es jedoch vorher schon angekratzt, kann es zu Problemen kommen.<\/p>\n<h3>Was tun, wenn Selbstwert fehlt?<\/h3>\n<p>Hier gilt grunds\u00e4tzlich auch das, was ich schon beim Selbstvertrauen geschrieben habe. Wie wir gesehen haben, geht es um Bindung und um den Platz in der Welt. Wenn die Belastungen und Verletzungen der Vergangenheit auf emotionaler und mentaler Ebene gel\u00f6st sind, geht es darum, den eigenen Platz in der Welt zu finden. Und das auf physischer, sozialer und beruflicher Ebene. Der Betroffene sollte eine neue Vision f\u00fcr die Lebensbereiche entwerfen, die aktuell nicht stimmig sind. Die Frage ist: Wie m\u00f6chte ich leben? Wie m\u00f6chte ich sein? Mit dieser Ausrichtung ist es leicht, den Weg schrittweise zu gehen. Jeder erreichte Schritt wird das Selbstwertgef\u00fchl steigern. Es ist wichtig, sich Hilfe zu nehmen, falls es erforderlich ist.<\/p>\n<p>Zudem ist es notwendig, eine gesunde Bindung zu etablieren. F\u00fcr das Baby beziehungsweise das Kind ist die Bindung zu den Eltern existentiell. Es ist abh\u00e4ngig von Versorgung und Zuneigung. Erf\u00e4hrt es in diesem Bereich einen Mangel, so pr\u00e4gt dieser sich ein und bleibt bestehen, bis diese Erfahrung in einem bewussten Prozess bearbeitet wird. Die Schmerzen der Zur\u00fcckweisung m\u00fcssen geheilt werden. Der Erwachsene muss erkennen, dass er nicht mehr abh\u00e4ngig ist, dass er das Potential hat f\u00fcr sich selbst zu sorgen und f\u00fcr sich selbst Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Die L\u00f6sung ist eine Bindung zu sich selbst, zur Welt und zur Gegenwart.<\/p>\n<h3>Selbstbewusstsein<\/h3>\n<p>Das Selbstbewusstsein spiegelt wider, wie bewusst du dir deiner selbst bist. Das bedeutet: wie gut du mit dir selbst in Verbindung bist; mit deinem K\u00f6rper, deinen Empfindungen, Gef\u00fchlen und Bed\u00fcrfnissen. Du magst jetzt denken: \u201eNat\u00fcrlich nehme ich mich wahr.\u201c Doch es gibt in der Selbstwahrnehmung starke Abstufungen. Ich habe nicht selten Klienten in der Therapie, die fast vollst\u00e4ndig in Ihrem Kopf leben. Sie sind oft in mentalen Konstruktionen gefangen und empfinden fast alle ihre Gef\u00fchle im Kopf. Vom Hals abw\u00e4rts findet kaum ein Gesp\u00fcr f\u00fcr innere Vorg\u00e4nge statt. Die meisten unserer Gef\u00fchle und Empfindungen finden jedoch im K\u00f6rper statt.<\/p>\n<p>Menschen mit einem gesunden Selbstbewusstsein f\u00fchren ein bewusstes Leben. Sie tun in irgendeiner Weise etwas f\u00fcr ihren K\u00f6rper. Sie treiben Sport oder machen K\u00f6rperarbeit, wie Tai Chi oder Yoga. Sie vergiften sich nicht mit Zigaretten, Alkohol, Drogen oder ungesunder Nahrung, denn ihr K\u00f6rperbewusstsein macht ihnen dies unm\u00f6glich. Sie nehmen sich selbst an und akzeptieren sich, wie sie sind. Sie f\u00fchren ein selbstverantwortliches Leben, was hei\u00dft, dass sie nicht andere oder das System f\u00fcr ein m\u00f6gliches Ungl\u00fcck beschuldigen. Sie wissen, was sie wollen, und k\u00f6nnen sich gut gegen andere abgrenzen. Sie sind selbstbestimmt und sorgen f\u00fcr ihre pers\u00f6nliche Integrit\u00e4t. Ihr Reden und Handeln ist in \u00dcbereinstimmung mit ihren Werten.<\/p>\n<h3>Wenn Selbstbewusstsein fehlt<\/h3>\n<p>Menschen mit geringem Selbstbewusstsein haben einen eingeschr\u00e4nkten Zugang zu ihren Empfindungen, Gef\u00fchlen und Bed\u00fcrfnissen. Sie bewohnen ihren K\u00f6rper nur eingeschr\u00e4nkt und sind unzureichend mit ihm verbunden. Beobachte einmal, wie Menschen gehen. Machen sie flie\u00dfende Bewegungen, und der ganze K\u00f6rper schwingt nat\u00fcrlich mit, oder wanken sie von einem Bein auf das andere? Haben sie eine lebendige Ausstrahlung, oder wirken sie erstarrt? Was meinst du, wie sie mit ihrem K\u00f6rper umgehen? Wirkt er gepflegt oder eher vernachl\u00e4ssigt?<\/p>\n<p>Selbstsch\u00e4digendes Verhalten kann nur bei mangelndem Selbstbewusstsein auftreten. Rauchen l\u00e4sst sich nur ertragen, wenn derjenige nicht f\u00fchlt, was er tut. Das gleiche gilt f\u00fcr \u00fcberm\u00e4\u00dfiges Essen oder den Konsum von Drogen. Nur wer sich nicht f\u00fchlt, kann mehr essen als bis zur S\u00e4ttigung oder weit \u00fcber den Appetit hinaus. Die Wahrnehmung ist zu einem gewissen Grad vom K\u00f6rper abgespalten, und es wird in vielerlei Hinsicht m\u00f6glich, \u00fcber die eigenen Grenzen zu gehen.<\/p>\n<p>Das Empfinden der eigenen Bed\u00fcrfnisse ist eingeschr\u00e4nkt. Daher wei\u00df die oder der Betroffene gar nicht genau, was er will. Er wird leicht zum Spielball \u00e4u\u00dferer Einfl\u00fcsse und wird manipulierbar. Diese Menschen fallen leichter auf einen Betrug hinein oder lassen sich zu etwas \u00fcberreden, was sie eigentlich gar nicht wollten. Es ist nat\u00fcrlich auch schwer, einen passenden Lebenspartner zu finden, wer nicht empfunden werden kann, wer der oder die \u201eRichtige\u201c ist. Wer sich selbst nicht f\u00fchlt, kann andere nicht f\u00fchlen, und ihm stehen bei der Entscheidung nur \u00c4u\u00dferlichkeiten zur Verf\u00fcgung. Und die k\u00f6nnen bekanntlich tr\u00fcgen.<\/p>\n<p>Manche Menschen leben so sehr in ihrem Kopf, abgetrennt vom K\u00f6rper und ihren Gef\u00fchlen, dass sie nur noch in mentalen Konstruktionen leben. Ihr Weltbild weicht so sehr von der Realit\u00e4t ab, dass sie st\u00e4ndig im Konflikt mit ihr leben. Sie k\u00f6nnen andere Menschen nicht verstehen und sind nicht in der Lage, sich in sie hineinzuversetzen. Diejenigen, die von ihren eigenen Vorstellungen abweichen, werden verurteilt und abgewertet. Dies ist beispielweise der Fall bei Menschen, die sehr stark von einer Ideologie oder Religion indoktriniert sind.<\/p>\n<p>Diese mentale Konstruktion kann sich auch in einer starken beruflichen Identifikation \u00e4u\u00dfern. Solche Menschen leben haupts\u00e4chlich ihre professionelle Funktion. Da sie sich als lebendiges Wesen kaum mehr wahrnehmen, haben sie sich in diese Identit\u00e4t gefl\u00fcchtet. Sie sind der Anwalt, der Arzt, der Intellektuelle oder Nerd \u00ad und sonst nichts. Auch im Privatleben sprechen und handeln sie oft wie in ihrem Beruf. Sie erfahren aufgrund ihrer Rolle einige Bewunderung, aber zufrieden sind sie h\u00e4ufig nicht. Oft empfinden sie eine innere Leere und Unsicherheit, die zu einer Krise f\u00fchren kann. Einigen meiner Klienten ist es so ergangen.<\/p>\n<p>Diese mangelnde Verbindung zu sich selbst, zu anderen und zur Welt ist in der Regel die Grundlage f\u00fcr viele \u00c4ngste und Zw\u00e4nge, denn es stellt sich das Gef\u00fchl eines Kontrollverlustes ein. Wer nicht oder kaum f\u00fchlt, also keine innere Verbindung hat, kann den Eindruck bekommen, dass er keine Kontrolle hat. Es gibt Dinge, die sich seinem Einfluss entziehen und die ihn \u00fcberraschen oder \u00fcberw\u00e4ltigen k\u00f6nnen. So entsteht Angst.<\/p>\n<p>Ein Zwang dient dazu, die vermeintlich verlorene Kontrolle wiederzuerlangen. Eine Handlung wird so oft wiederholt, bis sie gef\u00fchlt wird. Es wird an der T\u00fcr ger\u00fcttelt, bis sich die Gewissheit einstellt, dass sie zu ist. Etwas wird so lange geputzt, bis sich das Gef\u00fchl einstellt, es ist sauber. Zwangsgedanken haben oft einen aggressiven Inhalt oder drehen sich darum, dass etwas Schlimmes verhindert werden soll: \u201eWenn ich dies nicht tue, dass passiert jenes.\u201c Daraus resultieren wiederum Zwangshandlungen, die die Kontrolle wieder herstellen sollen.<\/p>\n<p>Wer sich nicht f\u00fchlt, hat in der Regel Probleme sich zu entscheiden. Wir k\u00f6nnen eine Entscheidung nur dann als gef\u00e4llt wahrnehmen, wenn wir sie f\u00fchlen und zu ihr stehen k\u00f6nnen. Sie muss sich richtig anf\u00fchlen. Das ist meist wichtiger als das vern\u00fcnftige Abw\u00e4gen der Fakten. Es gibt also viele gute Gr\u00fcnde, das eigene Selbstbewusstsein zu st\u00e4rken.<\/p>\n<h3>Was ist geschehen, wenn Selbstbewusstsein fehlt?<\/h3>\n<p>Die Wurzeln des mangelnden Selbstbewusstseins gehen fast immer bis in die Kindheit zur\u00fcck. Das Kind wuchs in einer Umgebung auf, in dem seine Wahrnehmung, Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse in Frage gestellt wurden. Dadurch erlebte es einen inneren Konflikt. Kinder sehen die Erwachsenen als absolute Autorit\u00e4t an, weil sie ja in jeder Beziehung von ihnen abh\u00e4ngig sind. Zuneigung von den Eltern zu bekommen ist f\u00fcr sie existenziell wichtig. Kommen nun von den Erwachsenen Aufforderungen, Erwartungen, Feststellungen oder Bemerkungen, die dem eigenen Erleben des Kindes widersprechen, erlebt es einen Konflikt.<\/p>\n<p>Beispiel: Das Kind ist gest\u00fcrzt und hat sich das Knie aufgeschlagen, was nat\u00fcrlich weh tut. Der Vater sagt: \u201eOch, das ist nicht schlimm.\u201c Er sagt das vielleicht mit der guten Absicht, es zu beruhigen. Nun hat das Kind einen Konflikt, denn es erlebt etwas v\u00f6llig anderes, n\u00e4mlich einen gro\u00dfen Schmerz, der ihm vielleicht auch Angst macht. Da es aber mehr dem Vater glaubt als sich selbst, unterdr\u00fcckt es den Schmerz und trennt sich von ihm ab, weil\u00a0 es annimmt, dass seine Wahrnehmung falsch ist.<\/p>\n<p>Wenn die Erwachsenen dem Kind immer wieder sagen, was es tun, f\u00fchlen, denken oder empfinden soll, oder sie es nicht annehmen, wie es ist, versucht das Kind, eine L\u00f6sung f\u00fcr seine erlebten Konflikte zu finden. Es passt sich an. Das haben wir alle erlebt. Wir alle haben Einflussnahme auf unser inneres Erleben erfahren und wurden dazu gebracht, Dinge zu tun, die wir nicht tun wollten. Uns wurde beigebracht, was gesellschaftlich erwartet wird oder welches Verhalten richtig ist. Mittlerweile sind wir daran gew\u00f6hnt, denn wir haben uns angepasst und im R\u00fcckblick erscheint das nicht so dramatisch. Doch f\u00fcr das Kind sind dies massive Eingriffe. Es erlebt in diesem Moment gro\u00dfe Entt\u00e4uschung, Zur\u00fcckweisung, Verletzung oder Schmerz.<\/p>\n<p>Um diese Anpassungsleistung zu erbringen, war es notwendig, die eigenen Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse hintenanzustellen oder gar ganz zu verleugnen. Der Grad der Anpassung ist nat\u00fcrlich individuell unterschiedlich. Er kann jedoch bis zur vollst\u00e4ndigen Dissoziation gehen: Das hei\u00dft, der Mensch hat kaum mehr Verbindung mit sich selbst. Die Selbstwahrnehmung ist massiv eingeschr\u00e4nkt. Er ist tief verletzt. Um diesen Schmerz nicht zu f\u00fchlen, hat er sich v\u00f6llig von sich selbst abgespalten. Er verharrt sein Leben lang in einem Alarmzustand, aus dem er nicht zur\u00fcckfindet. Emotionaler oder k\u00f6rperlicher Missbrauch etwa kann dies ausl\u00f6sen. Dysfunktionale Eltern geben ihre ungel\u00f6sten Verletzungen an ihre Kinder weiter.<\/p>\n<h3>Was tun, wenn Selbstbewusstsein fehlt?<\/h3>\n<p>Fast alle Probleme, mit denen meine Klienten in die Sitzungen kommen, haben ihre Wurzeln in der Vergangenheit und haben mit der Anpassung an die Umgebung ihrer Kindheit zu tun. Nat\u00fcrlich sind es nicht immer nur die Eltern, die Fehler gemacht haben. Auch beispielsweise Verwandte, Spielkameraden, Mitsch\u00fcler oder Lehrer k\u00f6nnen gro\u00dfe Verletzungen durch ihr Verhalten ausl\u00f6sen. Meistens geschieht dies ja nicht b\u00f6swillig, manchmal un\u00fcberlegt, oft sogar in bester Absicht. Wir leben nicht in einer idealen Welt mit idealen Menschen. Bis zu einem gewissen Ma\u00df hinterlassen solche Erfahrungen keine bleibenden Sch\u00e4den.<\/p>\n<p>Wird dieses individuell unterschiedliche Ma\u00df jedoch \u00fcberschritten, wird dies meist sp\u00e4testens im Erwachsenenalter sp\u00fcrbar, indem sich unerw\u00fcnschte und einschr\u00e4nkende innere Zust\u00e4nde einstellen. Dies k\u00f6nnen in verschiedenen Graden auftretende \u00c4ngste, Depressionen, Zw\u00e4nge oder S\u00fcchte sein. Oder einfach ein diffuses Unwohlsein, eine Krise oder eine innere Leere. Solltest du so etwas bei dir bemerken, ist es nicht sinnvoll, die Schuld bei anderen zu suchen und sich darauf auszuruhen, eine schwere Kindheit gehabt zu haben. Jetzt ist es wichtig, Verantwortung f\u00fcr diese inneren Zust\u00e4nde zu \u00fcbernehmen und sich Hilfe zu suchen.<\/p>\n<p>In der Therapie werden die ersten Schritte sein, die alten Verletzungen zu heilen. Es sollte auf eine Weise geschehen, dass die Ereignisse erinnert werden k\u00f6nnen, ohne dass dies schmerzt oder unangenehme Gef\u00fchle erzeugt. Diese Gef\u00fchle geh\u00f6ren in die Vergangenheit und brauchen in der Gegenwart nicht immer wieder aktiviert zu werden. So wird es immer leichter, mit seiner Selbstwahrnehmung in den K\u00f6rper zur\u00fcck zu kommen und seine tats\u00e4chlichen, aktuellen Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse zu f\u00fchlen. Das K\u00f6rperbewusstsein nimmt zu, bis es sich gut anf\u00fchlt, mit sich selbst in Verbindung zu sein und die eigene Lebendigkeit zu f\u00fchlen. Sport und K\u00f6rper\u00fcbungen k\u00f6nnen diesen Prozess unterst\u00fctzen.<\/p>\n<h3>Stimmigkeit erleben<\/h3>\n<p>Du kannst selbst definieren, wer du sein willst, was du erleben und f\u00fchlen m\u00f6chtest. Die Zeit, in der du von anderen abh\u00e4ngig bis, ist vorbei. Sch\u00fcttelst du die Stimmen und Erfahrungen der Vergangenheit ab und kommst in der Gegenwart an, erf\u00e4hrst du Stimmigkeit mit dir selbst und der Welt. Wenn Selbstvertrauen, Selbstwert und Selbstbewusstsein im Innern verwirklicht sind, k\u00f6nnen sie auch im Au\u00dfen erfahren werden. Das Vertrauen in andere Menschen und die Welt kehrt zur\u00fcck. Du erf\u00e4hrst den Wert des Lebens und kannst dich von ihm ber\u00fchren lassen. Die Zweifel nehmen ab und die Selbstbestimmung zu. Mit dem Selbstbewusstsein nimmt dein Bewusstsein f\u00fcr alles um dich herum zu, und du kannst wahrnehmen, was tats\u00e4chlich ist. Damit \u00f6ffnet sich ein Raum, der sich mit, wie ich es nenne, grundloser Daseinsfreude f\u00fcllen kann.<\/p>\n<h3><a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/\">Erfahre, was mit moderner Psychotherapie m\u00f6glich ist!<\/a><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbstvertrauen, Selbstwert und Selbstbewusstsein: Viele Menschen h\u00e4tten davon gerne ein bisschen mehr. Oft meint jemand, der einen der drei Begriffe verwendet, ein- und dasselbe. Doch in Wirklichkeit hat jeder von ihnen eine ganze eigene Bedeutung, und es lohnt sich, sie genauer zu betrachten. 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