{"id":801,"date":"2015-09-22T08:00:23","date_gmt":"2015-09-22T06:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/?p=801"},"modified":"2019-05-20T16:48:28","modified_gmt":"2019-05-20T14:48:28","slug":"recht-haben-um-jeden-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/recht-haben-um-jeden-preis\/","title":{"rendered":"Recht haben um jeden Preis?"},"content":{"rendered":"<h3>Warum \u00a0wir immer gewinnen wollen \u2013 und wie wir dem Ego seinen Platz zuweisen<\/h3>\n<p>Uns Menschen ist es in der Regel sehr wichtig, Recht zu haben. Beobachten Sie Gespr\u00e4che: Wie gro\u00df ist der Anteil, in dem es den Beteiligten darum geht, Recht zu haben? Sie kennen bestimmt den einen oder anderen Besserwisser. Oder vielleicht haben Sie bei sich selbst schon beobachtet, dass Sie Aussagen anderer, die in Ihren Augen falsch oder unvollst\u00e4ndig sind, nicht so stehen lassen k\u00f6nnen?\u00a0 Solche sachlichen Dissonanzen lassen sich meist argumentativ ausr\u00e4umen. Nachschlagewerke, Statistiken und das Internet bieten die M\u00f6glichkeit Fakten zu finden, die eine Diskussion \u00fcber das &#8222;Richtig&#8220; und &#8222;Falsch&#8220; beenden.\u00a0Schwieriger wird es bei Gef\u00fchls- oder Empfindungs-Themen.<\/p>\n<h3>&#8222;Ich habe Recht, du hast Unrecht!&#8220;<\/h3>\n<p>Ein typischer Dialog: \u201eIch f\u00fchle mich von Dir nicht genug beachtet.\u201c \u00a0\u2013 \u201eNein, Du bist mir total wichtig!\u201c Dies ist einerseits ein Beispiel f\u00fcr die Verwechslung von Ebenen. Zum anderen reden die Beiden\u00a0aneinander vorbei. Dies ist Futter f\u00fcr Stunden heftigster Auseinandersetzungen. Hier m\u00fcsste erst einmal ein Konsens dar\u00fcber gefunden werden, um was es denn im Kern eigentlich geht. Dann erst wird es m\u00f6glich, den anderen zu verstehen und dessen\u00a0Motiv zu erkennen. Danach ist es dann sinnvoll, das hinter dem Konflikt stehende Bed\u00fcrfnis zu benennen und Wege zu finden, es zu stillen. Selbstst\u00e4ndig oder durch Zutun von anderen.<\/p>\n<p>Der Standpunkt \u201eIch habe Recht, du hast Unrecht!\u201c ist der Quell f\u00fcr die kleinen und gr\u00f6\u00dferen pers\u00f6nlichen Konflikte, die unter Umst\u00e4nden vor Gericht verhandelt werden m\u00fcssen. Aber auch f\u00fcr die Konflikte in der Welt zwischen unterschiedlichen sozialen Gruppen oder Nationen, die schlie\u00dflich zum Krieg f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Wissen um die tats\u00e4chliche Bedeutung eines Standpunktes und die eigentliche Ursache der Sucht nach dem Recht-haben-wollen helfen sicherlich dabei, Auseinandersetzungen anders zu sehen und mit ihnen umzugehen.<\/p>\n<h3>Die Natur des Ich<\/h3>\n<p>Ein Mensch wird nicht mit einem Ich, das hei\u00dft mit einem Selbstverst\u00e4ndnis geboren. Es entwickelt sich erst sp\u00e4ter durch Pr\u00e4gung und Erfahrung. Zu Beginn wird alles als eine paradiesische Einheit wahrgenommen, die sp\u00e4ter in ein schmerzhaftes Ich kollabiert. Das Ich schafft Trennung zur Umwelt und zu anderen Menschen. Trennung tut weh. Daher tr\u00e4gt jeder Mensch das mehr oder weniger subtile Wissen mit sich herum, dass ihm etwas fehlt: n\u00e4mlich die Einheit, die Vollst\u00e4ndigkeit.<\/p>\n<p>Das Ich, das Ego, die Person \u201ewei\u00df\u201c um diesen immanenten st\u00e4ndigen Mangel und dass es seinem eigentlichen Wesen nach virtuell ist. Es ist eine eingebildete Instanz, sozusagen eine Software, die in unser Nervensystem eingebrannt ist. Der Name des Programms ist: \u201eIch bin.\u201c Dieses Ich existiert nicht. Es ist eine Funktion des Nervensystems. Daher ist es wichtig, zwischen dem Menschen, als eine Emanation unter vielen in der Welt, und der Person, einem ablaufenden Programm der Selbstbez\u00fcglichkeit, zu unterscheiden. Sinn dieses Programm ist es, den Menschen zu erhalten, indem es Bed\u00fcrfnisse identifiziert und befriedigt, aber auch Handlungsabl\u00e4ufe, der Vereinfachung wegen, automatisiert.<\/p>\n<p>Das eigentliche Problem mit dem Ego ist nicht, dass es da ist, denn es hat ja Funktionen zu erf\u00fcllen. Das eigentliche Problem entsteht aus der Identifikation mit ihm. So kommt es, dass das Ego \u2013 die Person \u2013 sich aufgrund seiner virtuellen Natur st\u00e4ndig seine eigene Existenz und seinen Wert beweisen muss. Daher kommt seine Neigung, Recht haben zu wollen. Wei\u00df es etwas und kann es etwas, dann beweist es sich selbst, dass es einen Wert hat. Seine Existenz und Existenzberechtigung wird best\u00e4tigt. Und vor allem: Es ist anderen \u00fcberlegen, es ist besser als sie und f\u00fchlt sich dadurch gest\u00e4rkt. Aufmerksamkeit ist die W\u00e4hrung, um die die verschiedenen Egos ringen. Damit versuchen sie, ihren Einfluss zu vergr\u00f6\u00dfern und meinen, die Aufgaben f\u00fcr den Menschen, den sie bewohnen, damit besser erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Das Spiel des Lebens<\/h3>\n<p>Das ist das Spiel des Lebens. Die Standpunkte, die das Ego vertritt sind v\u00f6llig beliebig. Der eine hat Recht, weil es in der Heiligen Schrift steht, der andere, weil die Wissenschaft es bewiesen hat und der Dritte, weil er es von einem aufgestiegenen Meister gechannelt bekam. Der Vierte ist sich ganz sicher, weil es seiner eigenen Erfahrung entstammt, und so weiter. Es spielt einfach keine Rolle, woher \u00dcberzeugungen oder vermeintliches Wissen stammen. Sie sind frei w\u00e4hl- und auswechselbar.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich kann nichts gewusst werden. Alles Wissen besteht aus Abstraktionen des Verstandes, der wiederum eine Funktion des Egos ist. Abstraktionen sind mentale Auskopplungen, die mit der eigenlichen Sache nichts zu tun haben. Gedanken \u00fcber etwas sind nicht die Sache selbst, mit der sie sich besch\u00e4ftigen, sondern sie sind eigenst\u00e4ndige unabh\u00e4ngige Erscheinungen. Abstraktionen k\u00f6nnen hilfreich sein und den Menschen unglaubliche M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen. In diesem Fall hat das Ego dann seine eigentliche Aufgabe hervorragend erf\u00fcllt.<\/p>\n<h3>Erkennen, was tats\u00e4chlich ist<\/h3>\n<p>Doch diese Abstraktionen machen nicht gl\u00fccklich. Wissen macht nicht gl\u00fccklich. Recht haben macht nicht gl\u00fccklich. Die Suche nach Gl\u00fcck und Erf\u00fcllung entstammt dem Schmerz des Egos, das sich von der Einheit getrennt f\u00fchlt. Recht zu haben ist sein Bem\u00fchen, sich selbst zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Das einzige, was gewusst werden kann ist das, was unmittelbar wahrgenommen wird. Der Verstand und das Ego sind hierbei au\u00dfen vor. Sie werden Sekundenbruchteile sp\u00e4ter das Erleben als ihres deklarieren, es bewerten und vielleicht darauf reagieren \u2013 und hier geschieht bereits die Trennung. Unmittelbarkeit wird in Wissen umgewandelt und in Besitz genommen. Sp\u00e4ter kann dieses Wisen als Argument gegen den anderen verwendet werden.<\/p>\n<p>Das unmittelbare Sein tr\u00e4gt alles in sich. Hier muss nichts gewusst werden. Hier ist die grundlose Daseinsfreude, die die Suche nach Gl\u00fcck \u00fcberfl\u00fcssig macht.<\/p>\n<p>Sollten Sie sich davon beeintr\u00e4chtigt f\u00fchlen, Recht haben zu m\u00fcssen, fragen Sie sich, was Sie davon haben. <a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/die-methode-einfuhrung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">L\u00f6sen Sie dann am besten die zugrunde liegenden pers\u00f6nlichen Muster auf.<\/a> Erkennen Sie, was das Ego tats\u00e4chlich ist und weisen Sie ihm seinen angestammten Platz zu.<\/p>\n<h3><a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/\">Erfahre, was mit moderner Psychotherapie m\u00f6glich ist!<\/a><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum \u00a0wir immer gewinnen wollen \u2013 und wie wir dem Ego seinen Platz zuweisen Uns Menschen ist es in der Regel sehr wichtig, Recht zu haben. Beobachten Sie Gespr\u00e4che: Wie gro\u00df ist der Anteil, in dem es den Beteiligten darum geht, Recht zu haben? 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