{"id":873,"date":"2015-09-29T08:00:45","date_gmt":"2015-09-29T06:00:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/?p=873"},"modified":"2019-05-20T16:48:10","modified_gmt":"2019-05-20T14:48:10","slug":"wie-kann-ich-besser-bei-mir-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/wie-kann-ich-besser-bei-mir-bleiben\/","title":{"rendered":"Wie kann ich besser bei mir bleiben?"},"content":{"rendered":"<p>In meiner Bewusstseins-Notiz 3 bat ich um Fragen aus dem Bereich Bewusstsein, Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung, Therapie, Beratung oder zu Lebensthemen. Folgende Situation wurde mir per Mail geschildert:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eEine Frage, die ich mir immer wieder stelle, lautet: Wie <span style=\"color: #333333;\">kann <\/span>ich besser bei mir bleiben, wenn ich oft und schnell zwischen den Rollen als Beraterin, Mutter, Kollegin, Freundin, Partnerin, Tochter, Schwester wechsle?\u201c<\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Dies ist eine interessante und vielschichtige\u00a0Frage. Im Grunde sind es sogar zwei. Die erste Frage: Was und wo ist dieses Ich in dem ich mich zentrieren kann? In der zweiten geht es um Identit\u00e4ten, die wir st\u00e4ndig wechseln.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Insofern liegt die L\u00f6sung auch auf zwei Ebenen: Erstens ist es hilfreich, absichtsvoll \u00fcber die Art und St\u00e4rke von Identit\u00e4ten zu entscheiden. Zweitens hilft ein ruhiger, klarer Standpunkt jenseits von Rollen und Alltagsgeschehen, immer wieder Kraft zu sch\u00f6pfen und auf ganz nat\u00fcrliche Weise zu sich selbst zu finden.<\/span><\/p>\n<h3>Identit\u00e4ten haben Vor- und Nachteile<\/h3>\n<p>Identit\u00e4ten sind Pers\u00f6nlichkeitsanteile, die bestimmte Aufgaben erf\u00fcllen. In ihnen sind eine Menge an \u00dcberzeugungen, Haltungen, Verhaltensweisen und zum Teil auch F\u00e4higkeiten gespeichert. Kommen wir in eine bestimmte Situation, wird die entsprechende Identit\u00e4t sofort und automatisch aktiviert. Wir rasten in eine Rolle ein und verhalten uns entsprechend. So, wie wir es fr\u00fcher einge\u00fcbt oder beigebracht bekommen haben. Wir haben erfahren, wie wir mit bestimmten Anforderungen am besten umgehen konnten und haben uns das gemerkt. Das ist grunds\u00e4tzlich gut und praktisch. Das Ego entwickelt die Identit\u00e4ten, damit wir nicht immer alles neu lernen m\u00fcssen und wir mit der Situation ad\u00e4quat umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Nachteil ist, dass uns die Identit\u00e4ten auf ihre Konditionierung festgelegt. Sie automatisieren unser Denken, Handel und F\u00fchlen. Manchmal entsteht der Wunsch, sich in bestimmten Situationen anders, geschickter, kreativer oder souver\u00e4ner zu verhalten. Denn nicht alles, was die Identit\u00e4ten gespeichert haben ist immer von Vorteil. M\u00f6glicherweise m\u00f6chten wir gar nicht erst in eine definierte Rolle verfallen, da sie heute, im Gegensatz zu fr\u00fcher, unangemessen oder unpassend ist oder uns in unseren M\u00f6glichkeiten einschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Jemand hat beispielsweise gegen\u00fcber dem Vater eine sch\u00fcchterne, defensive und gehorsame Identit\u00e4t entwickelt. So funktionierte das Zusammenleben zwischen dem Kind und dem Vater am besten. Hat nun derjenigen als Erwachsener mit Menschen zu tun, die dieses Vaterbild erf\u00fcllen, zum Beispiel ein autorit\u00e4rer Vorgesetzter, wird sofort diese kindliche Identit\u00e4t aktiviert. Und das kann im Berufsleben \u00e4u\u00dferst hinderlich sein. Sehr st\u00f6rend in zwischenmenschlichen Beziehungen kann es auch sein, wenn man im Freundeskreis bei bestimmten Themen ungefragt die Rolle der Beraterin einnimmt. Es k\u00f6nnte passieren, dass man immer weniger eingeladen wird.<\/p>\n<p>Da wir diese Identit\u00e4ten, mehr oder weniger bewusst, selbst entwickelt haben, k\u00f6nnen wir sie auch \u00e4ndern oder aufl\u00f6sen. Aber auch nur bestimmte st\u00f6rende Aspekte von ihnen. Dazu gibt es verschiedene Techniken. <a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/die-methode-einfuhrung\/\">Eine m\u00f6gliche habe ich hier beschrieben.<\/a> Das geht wesentlich leichter, als viele denken. Bearbeiten Sie eine Identit\u00e4t oder l\u00f6sen Sie sie auf, kann es sein, dass Sie sich schon im n\u00e4chsten Moment anders f\u00fchlen und sich anderen gegen\u00fcber anders verhalten. Es kommt auch vor, dass andere ihr Verhalten Ihnen gegen\u00fcber zu \u00e4ndern scheinen.<\/p>\n<h3>Wie viel(e) Identit\u00e4t(en) brauche ich wirklich?<\/h3>\n<p>Eine h\u00e4ufig ge\u00e4u\u00dferte Bef\u00fcrchtung lautet allerdings: &#8222;Wenn ich diese Identit\u00e4ten aufl\u00f6se, dann funktioniert mein Alltag nicht mehr. Ich brauche sie, um die jeweiligen Aufgaben zu erf\u00fcllen und im Leben zu &#8218;funktionieren&#8216;.&#8220;\u00a0 Ja, es kann tats\u00e4chlich zu kleineren Irritationen f\u00fchren w\u00e4hrend die Ver\u00e4nderungen im eigenen System integriert werden. Jedoch ist diese Phase nicht von langer Dauer und es stellt sich ein Zustand gr\u00f6\u00dferer Klarheit und Weite ein. W<span style=\"color: #333333;\">enn es mehr und mehr gelingt, mit den oben beschriebenen Techniken absichtsvoll \u00fcber die eigenen Identit\u00e4ten zu bestimmen, statt sich von diesen und von den Erwartungen anderer bestimmen zu lassen, wird es einfacher, einen Standpunkt innerer Ruhe zu finden.<\/span><\/p>\n<h3>Was ist &#8222;Ich&#8220;?<\/h3>\n<p>Nun kommen wir zum ersten Teil der Frage. Hier wird es etwas schwieriger. Wo ist dieses Ich, auf das ich mich beziehen kann? Sozusagen das Auge im Sturm, an dem Stille herrscht und das mir zwischen all meinen Identit\u00e4ten Zuflucht bietet? Die schlechte Nachricht: Dieses Ich gibt es nicht. Die gute: Das macht \u00fcberhaupt nichts.<\/p>\n<p>Das Ich, das\u00a0behauptet: \u201eIch bin\u201c ist eine Sammlung aller Ihrer Identit\u00e4ten. Es k\u00f6nnte als \u00dcber-Identit\u00e4t bezeichnet werden. Ihm klebt, als Etikett, Ihr Name an. Es ist genauso wandelbar, auch wenn es auch komplexer ist, wie jede andere Identit\u00e4t. Wer kann von sich behaupten, er sei noch derselbe, wie vor einem, f\u00fcnf oder zehn Jahren? Das Ich ist einem st\u00e4ndigen Wandel unterworfen. <a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/das-ego\/\">Hier habe ich das Ich ausf\u00fchrlicher beschrieben.<\/a><\/p>\n<p>Das Ich ist bestenfalls als eine Art Software zu verstehen. Das Ich, w\u00e4re so gesehen, das Betriebssystem und die Identit\u00e4ten die Anwendungsprogramme. Ich kann verstehen, wenn jemandem dieser Vergleich zu technisch erscheint, doch er ist zutreffend und hilfreich. Fragen Sie sich: Wie k\u00f6nnen Sie das Betriebssystem in einem Computer finden? Genauso wenig ist das Ich als eine feste Bezugsgr\u00f6\u00dfe auszumachen. Wie \u00c4nderungen an unserer Software zu bewerkstelligen sind, habe ich oben bereits angef\u00fchrt. Die Hardware ist nat\u00fcrlich unser K\u00f6rper. Ein Artikel, wie er als Speicher f\u00fcr unsere pers\u00f6nlichen Muster fungiert ist in Arbeit, er wird in wenigen Wochen erscheinen.<\/p>\n<h3>Einen zuverl\u00e4ssigen Standpunkt finden<\/h3>\n<p>Im Ich einen zuverl\u00e4ssigen und dauerhaften Halt zu finden ist also nicht m\u00f6glich. Trotzdem sind wir nicht der Willk\u00fcr unserer Identifikationen ausgesetzt. Es gibt einen \u201eOrt\u201c jenseits dem Ich, der Person, in dem Stille herrscht, auf den wir und jederzeit beziehen k\u00f6nnen und von dem aus wir den Wechsel unserer Identit\u00e4ten gelassen zuschauen k\u00f6nnen: Das Sein, der klare gewahre Raum. Klingt esoterisch? Ist es nicht. Es ist der Urgrund unseres Daseins und er ist unmittelbar und einfach zu erfahren. Das mag zuerst noch abstrakter und weniger greifbar zu scheinen, als unser Konzept vom Ich. Machen Sie bitte die <a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/annaherung\/\">\u00dcbung aus diesem Artikel<\/a> und \u00fcberzeugen Sie sich vom Gegenteil.<\/p>\n<p>Wenn Sie den Raum auch nur einen Bruchteil einer Sekunde wahrgenommen haben, wissen Sie wovon ich schreibe. Er ist subjektiv und nicht beweisbar. Er ist unmittelbar und von jedem erfahrbar. Hier ist der absolute und unersch\u00fctterliche Standpunkt, von dem aus das Flippen von einer Identit\u00e4t in die andere, gelassen betrachtet werden kann. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, sich mehr und mehr mit dem klaren gewahren Raum zu identifizieren, als mit dem Ich. Es kann gut sein, dass Ihre Gedanken ruhiger werden, Sie sich pr\u00e4senter f\u00fchlen und Sie gute Laune bekommen.<\/p>\n<p>Auch interessant:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/bewusstseinsimpuls-39-wie-kann-ich-bei-mir-bleiben-eine-uebung\/\" rel=\"bookmark\">Bewusstseinsimpuls 39 \u2013 Wie kann ich bei mir bleiben? \u2013 Eine \u00dcbung <\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/bewusstseinsblog\/bewusstseinsimpuls-40-wer-bist-du-wenn-dich-niemand-wahrnimmt-eine-meditation-um-zu-dir-selbst-zu-kommen\/\" rel=\"bookmark\">Bewusstseinsimpuls 40 \u2013 Wer bist du, wenn dich niemand wahrnimmt? \u2013 Eine Meditation, um zu dir selbst zu kommen. <\/a><\/p>\n<h3><a href=\"https:\/\/ulrich-heister.de\/\">Erfahre, was mit moderner Psychotherapie m\u00f6glich ist!<\/a><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meiner Bewusstseins-Notiz 3 bat ich um Fragen aus dem Bereich Bewusstsein, Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung, Therapie, Beratung oder zu Lebensthemen. 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