Der Partner oder die Partnerin scheint mal wieder stinkig zu sein, der Chef ist kurz angebunden, die Kollegin schnippisch, die Passantin in der Fußgängerzone guckt Sie schief an. Und schon fühlen Sie sich irgendwie unwohl. Hierbei handelt es sich um einen Automatismus, der in den meisten Egos eingebaut ist.

Fast alle Menschen streben danach gemocht zu werden. Das ist ja auch sinnvoll. Als Kind bekommen wir als artiges Kind unsere Wünsche eher von den Eltern erfüllt, als wenn wir bockig oder ungezogen sind. Das hatten wir schnell herausgefunden. Auch dem Erwachsenen ist klar, dass es im Leben leichter läuft und Kontakte schneller geknüpft werden können, wenn er freundlich ist.

Das Ego hat grundsätzlich einen „Ich möchte gemocht werden“-, „Ich möchte Aufmerksamkeit“-Mechanismus. Die Beispiele aus dem ersten Absatz laufen diesem entgegen. Also bezieht das Ich das Verhalten der betreffenden Personen auf sich selbst. Das Ego bezieht ohnehin immer gerne irgendwelche Geschehen in seiner Umgebung auf sich selbst. Dies ist eigentlich ein Schutzmechanismus. Meist führt so etwas zu einem Schuldgefühl oder dem Empfinden, “nicht richtig” zu sein. Das motiviert uns, Maßnahmen einzuleiten, damit wir wieder gemocht werden. Wir bezwecken also, positive Signale vom Gegenüber zu provozieren.

Ein unseliger Mechanismus, weil er uns in ständiger Abhängigkeit von dem hält, wie andere (vermeintlich) auf uns reagieren und wie sie sich uns gegenüber verhalten. Aber Sie können den Automatismus durchbrechen. Versuchen Sie folgendes: Beziehen Sie das Geschehen um sich herum absichtsvoll nicht auf sich selbst. Wenn der Partner oder die Partnerin Sie anpflaumt, beziehen Sie das nicht auf sich. Wenn der Chef kurz angebunden ist, machen Sie sich klar, dass das nichts mit Ihnen selbst zu tun hat. Erkennen Sie, dass die Passantin in der Fußgängerzone einfach nur schief guckt. Wenn die Kollegin schnippisch ist, hat sie möglicherweise einfach nur einen schlechten Tag. Sehen Sie die Menschen, wie sie sind, ohne damit in Resonanz zu gehen, ohne ihr Verhalten auf sich zu beziehen. Da ist lediglich jemand, der gerade so ist, wie er ist. Das hat nichts mit Ihnen zu tun.

Wenn Sie diese Sichtweise immer wieder üben, wird sie ihnen zunehmend leicht fallen, und Sie werden sehen, dass Sie dies sehr entspannt.

Ulrich Heister