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In unserem Kulturkreis war es schon immer angesagt, toll, erfolgreich, glücklich, hipp, besonders oder strahlend zu sein. Damit können sich die meisten ganz gut identifizieren. Schwächen, Rückschläge und sogenannte schlechte Gefühle werden besser gemieden. Es wird nicht über sie geredet, sie werden nicht gezeigt und sind ziemlich uncool.

So haben wir fast alle eine Vorstellung davon im Kopf, wie wir sein sollen. Wir vergleichen uns mit Idolen und anderen Menschen, die wir bewundern oder die uns gefallen. Und ziehen natürlich den Kürzeren, denn deren Schattenseiten sehen wir nicht. Entweder, weil wir sie nicht sehen wollen oder weil uns eine unechte Identität vorgespielt wird. Umso krasser erscheinen uns unsere eigenen Mängel und Defizite und wir bemühen uns noch mehr gut dazustehen.

„Negative“ Gefühle werden gemieden

Dazu gehört es, die Gefühle zu unterdrücken, die unserem Selbstbild nicht entsprechen. Das ist eine tückische Falle, die mit großer Wahrscheinlichkeit zu heftigen inneren Problemen führen wird. Depressionen, Ängste, Zwänge und Süchte sich dabei die üblichen Folgen, die auch in weniger ausgeprägter Form das Leben ziemlich vermiesen können.

Fast alle negativ empfundenen inneren Zustände sind darauf zurückzuführen, dass unverarbeitete Gefühle aus der Vergangenheit immer noch ihr Unwesen im Innern treiben. Sie sind noch im System enthalten und fordern ihre Aufmerksamkeit, denn sie möchten integriert und geheilt werden. Das aktuell erlebte Gefühl ist dabei nicht das eigentliche Problem. Er ist lediglich die Warnlampe, die uns darauf hinweist, dass tiefer in uns etwas nicht stimmt.

Wozu sind Gefühle da?

Unsere Gefühle bilden ein inneres Informationssystem. Sie wollen nur gefühlt werden. Sie sind nicht gefährlich. Sie haben keine Macht aus sich selbst heraus. Sie haben nur die Bedeutung, die du ihnen gibst. Das gilt für alle Gefühle. Unsere Bewertungen auf die Gefühle haben oft mehr Einfluss auf uns, als das Gefühl selbst. Bewertest du es negativ, als unangemessen oder deinem Alter nicht entsprechend, wirst du es nicht fühlen wollen und Widerstand dagegen haben. Bewertest du es positiv, kann es passieren, dass du diesem Gefühl hinterher rennst, wie einer Droge. Du tust alles dafür, um es immer und immer wieder zu erleben, für einen kurzen Kick.

Gefühle zeigen uns an, dass unser Erleben von unseren Konzepten, Erwartungen und Wünschen abweicht. Es gibt eine Spannung zwischen Innen- und Außenwelt. Das Gefühl hat die Aufgabe, diese abzubauen. Wir bekommen eine schlechte Nachricht und werden traurig oder wütend oder beides. Wir bekommen eine gute Nachricht und freuen uns. In beiden Fällen dienen die Gefühle dazu, das Erlebnis zu integrieren. Was heißt, dass unser System lernt, mit dem Ereignis umzugehen und Frieden damit zu schließen. Das ist alles.

Innerer Frieden ist das Ziel

Im innersten Wesen wollen wir nicht glücklich und erfolgreich sein oder ständig etwas Aufregendes erleben. Das sind Lifestyle-Ansichten einer Plastikwelt, die den schönen Schein waren will. In Frieden und Einklang zu leben, ist was wir tatsächlich wollen. Dazu reicht es, einfach zu sein und in der Gegenwart verankert zu leben.

Unser Gehirn unterstützt uns darin. Fühlen wir die sogenannten negativen Gefühle ohne Widerstand, verschwinden sie fast so schnell, wie sie gekommen sind. Das Ereignis ist integriert. Anderenfalls bleiben sie im eigenen System, bis wir bereit sind, sie zu fühlen. Dieses Ansammeln kann eine ganze Zeit lang gut gehen, bis es zu viel wird. Wir werden unruhig, bekommen Angst, fühlen uns niedergeschlagen, haben keine Motivation mehr und alles scheint hoffnungslos, wir entwickeln zwanghaftes Verhalten oder wir denken, trinken oder essen mehr, als wir wollen und so weiter.

Zu fühlen heißt zu heilen

Doch soweit muss es nicht kommen. Es folgen zwei Vorschläge für Übungen, die dir helfen können, wieder zu dir und deinen Gefühlen zurück zu kommen und innere Stimmigkeit zu erreichen.

1. Sich selbst fühlen

Dies ist eine sehr simple Übung, die aber sehr wirkungsvoll ist. Suche dir einen bequemen Platz, an dem du ungestört sitzen kannst. Schließe deine Augen und richte deine Aufmerksamkeit nach innen. Nimm deine Gefühle und Empfindungen wahr. Wähle das stärkste Gefühl aus und lokalisiere es in deinem Körper. Fühle seine Ausdehnung und den Raum, den es einnimmt. Sei dieses Gefühl, indem du mit deiner Aufmerksamkeit in diesem Raum hinein gehst. Fühle und erlebe es. Drücke es gegebenenfalls aus. Du wirst merken, dass es sich immer weiter abschwächt. Wenn es sich aufgelöst hat oder für dich okay ist, gehe zum nächsten Gefühl.

Mache das so lange, bis du dich gut fühlst. Sinnvoll ist es, dies als tägliche Routine anzuwenden. Auch wenn es dir nicht schlecht geht. Damit bleibst du in guter Verbindung mit dir selbst, stabilisierst deine Innenwelt und es fällt dir leicht auf deine Gefühle und Bedürfnisse zu hören. Auf diese Weise werden einige Probleme verschwinden, mit denen du zu tun hast. Funktioniert dies bei bestimmten Gefühlen oder Empfindungen nicht, bist du wahrscheinlich auf ein komplexeres Muster gestoßen, das deiner Vergangenheit entstammt und sich hartnäckig in deinem System verankert hat. Hier kann eine tiefere Betrachtung in einer Therapie hilfreich sein.

2. Mit anderen reden

Es scheint so banal und ist doch so selten: Setze dich mit vertrauten Menschen zusammen und sprecht gemeinsam über eure Gefühle. Das kann beispielsweise deine Partnerin oder dein Partner sein, eine gute Freundin oder Freund, aber natürlich auch eine Gruppe. Trefft euch ganz absichtlich nur zu diesem Zweck. Alle Beteiligten bekommen in etwa die gleiche Redezeit. Wer spricht, hat das Wort. Die anderen hören wertschätzend zu. Verständnisfragen sind erlaubt, Kommentare, Tipps oder Belehrungen nicht.

Sprich über das, was dich bewegt, belastet oder was dir wichtig ist. Sprich über dich und nicht über andere. Erlaube dir deine Gefühle zuzulassen, wenn sie auftauchen. Es ist gut, dass die Gefühle herauskommen. Es muss nichts mit ihnen getan werden, als sie zu fühlen. Sie brauchen nur Raum. Sollte jemand Probleme mit deinen Gefühlen haben, ist das ein Zeichen dafür, dass er selbst unerlöste Gefühle in sich trägt. Und genau das ist der Vorteil, wenn man dies mit anderen zusammen macht: Jeder profitiert davon und kann in sich selbst finden, wo er/sie allein nicht heran kommen wäre. So wird der Heilungsprozess vom jeweils anderen katalysiert. Gerade in Beziehungen können solche Gespräche zu mehr Tiefe und Verbundenheit führen.

Gefühle bedeuten Lebendigkeit. Egal, ob es sogenannte positive oder negative Gefühle sind. Sie zu unterdrücken (bewusst oder unbewusst) bedeutet, die eigene Lebendigkeit zu unterdrücken und die Vollständigkeit des eigenen Wesens einzuschränken.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Erfahre, was mit moderner Psychotherapie möglich ist!

Eine Freundin erzählte, dass sie ohne eigenes Zutun in einen privaten Rechtsstreit geraten sei und wie sehr die Situation sie belaste. Sie habe nach jedem Brief vom gegnerischen Familienanwalt tagelang einen Kloß im Magen, und jede neue Eskalatiosstufe raube ihr etwas mehr Lebensenergie.

Ich fragte sie, ob es ihr in einer solchen akuten Situation wenigstens kurz gelingen könnte, einen Standpunkt einzunehmen, in dem sie die Angriffe und Vorwürfe einfach als Ausdruck von Lebendigkeit betrachtet: so etwas wie ein Schauspiel, das sich in allen seinen Facetten entfaltet. Für kurze Zeit fühlte sie wirkliche Erleichterung. Nach ein paar Wochen berichtete sie, dass ihr diese kurzen Momente immer besser gelängen, und dass sie diese Haltung mittlerweile auf viele andere belastende Lebenssituationen ausdehne. Der Familienstreit sei nun weniger belastend, und allein durch diese Übung habe sich ihre Lebensqualität wieder deutlich verbessert ­ obgleich die Sache selbst noch lange nicht ausgestanden sei.

Es geht nicht darum, Konflikten auszuweichen. Sie können weiter alles tun, was nötig ist. Es geht auch nicht darum, Schwieriges zu verharmlosen. Manche Dinge sind belastend und müssen bearbeitet und gelöst werden, manchmal mit juristischen Mitteln. Manchmal in einer tiefergehenden Therapie. Aber wenn es zwischenzeitlich gelingt, immer einmal herauszutreten aus den Dramen, dann kann das Leben insgesamt immer leichter werden. Vielleicht zeigt sich sogar, dass sich mit weniger innerer Spannung unerwartete Lösungswege aufzeigen.

Übrigens geht es auch nicht darum, sich nicht zu ärgern. Ärgern Sie sich kräftig und intensiv, und nehmen Sie dann sekundenweise den Standpunkt ein, dass dieser eigene Ärger einfach ein Ausdruck von Lebendigkeit ist. Beginnen Sie mit kleinen Ärgernissen und gestatten Sie sich, dass es nicht immer klappt, diese Haltung einzunehmen. Freuen Sie sich, wenn es für Sekundenbruchteile klappt.

Wir haben gesehen, dass Menschen ein enormes kreatives Potential besitzen.  Unsere Glaubenssätze bestimmen, was wir und wie wir es erleben. In diesem Artikel sehen wir, was diese kreative Energie ist, warum Glaubenssätze unterschiedlich stark sind und wie wir unsere Wahrnehmung schärfen können.

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Zugegeben, im letzten Artikel kam das Ego nicht so gut weg. Es stimmt, wenn wir Probleme haben, hat es mit ihm zu tun. Aber wer ein Ego hat, muss nicht automatisch Probleme haben. Jeder hat eines und er kann es niemals loswerden. Es ist nicht der Buhmann. Die Komplikationen haben einen anderen Grund. Betrachten wir zunächst einmal, was das Ego ist und warum es so schlecht da steht.

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